Der Tagesspiegel : Kanal-Anstich

Zwei Gewässer werden verbunden – das Lausitzer Seenland nimmt Gestalt an

Claus-Dieter Steyer
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Senftenberg - Nirgendwo sonst in Europa wächst die Zahl der schiffbaren Wasserwege so rasant wie in Brandenburg. Vor allem südlich des Spreewaldes können sich Freizeitkapitäne großer und kleiner Boote auf neue Strecken von mehreren tausend Kilometer Länge freuen, werden doch die riesigen gefluteten Tagebaugruben mit Kanälen untereinander verbunden. Gestern vollzogen die Ministerpräsidenten von Brandenburg und Sachsen, Matthias Platzeck (SPD) und Georg Milbradt (CDU), den symbolischen Spatenstich für eines der spektakulärsten Bauwerke. Ein 1050 Meter langer Kanal soll bis 2010 den schon vor drei Jahrzehnten gefüllten Senftenberger See mit dem sich langsam füllenden Geierswalder See verbinden. Die bis zu 70 Meter breite und rund 10 Millionen Euro teure Wasserstraße unterquert sowohl die Bundesstraße 96 als auch das Flussbett der Schwarzen Elster. Eine Schleuse gleicht den Höhenunterschied der beiderseits der Landesgrenze gelegenen Gewässer von zwei Metern aus.

Platzeck sprach von der „Verwirklichung einer phantastischen Vision". Die Lausitz erhalte nach den Eingriffen in die Landschaft durch die Braunkohlengruben eine völlig neue Perspektive, die noch vor zehn Jahren den meisten Menschen als unmöglich erschienen sei. „Auch heute wird der Tourismus nicht allen einen Job bieten können, aber er ist eine wichtige Facette für die Zukunft", sagte Platzeck. Die Lausitz bleibe auch künftig vor allem eine Energieregion, sowohl mit der Braunkohlenverstromung als auch mit alternativen Energieträgern. Sein sächsischer Amtskollege Milbradt stimmte ihm zu. „Die Braunkohle hat hier nicht nur viel Land verbraucht, sie eröffnet nun attraktive Chancen."

Diese sollen sich tatsächlich nicht nur auf dem Wasser, sondern auch an den Ufern der aus 29 einzelnen Gewässern bestehenden „zweiten Mecklenburgischen Seenkette" ergeben. Bereits jetzt gibt es an einigen Stellen schwimmende Häuser für Urlauber, Tauch-, Surf- und Segelschulen, Wasserlandeplätze sowie Motor- und Ruderbootausleihen. Mehrere Dörfer sehen ihre Perspektive am Wasser und planen Häfen, Campingplätze, Hotels und Marinas.

Das beste Beispiel liegt mit dem zwischen 1968 und 1973 aus einem Tagebau entstandenen Senftenberger See vor der Haustür. Zehntausende Urlauber und Tagesauflügler tummeln sich jährlich an dem von der Schwarzen Elster durchflossenen 1300 Hektar großen Gewässer. „Jetzt nehmen wir den Bau eines Stadthafens in Angriff, in dem Yachten und Dampfer anlegen können", so Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD).

Die Hälfte der einmal rund 14 000 Hektar großen Seen wird untereinander mit Kanälen verbunden. Drei sind bereits fertig gestellt. Mit Zeitangaben halten sich die Planer allerdings zurück. Der weitere Verlauf hängt vor allem von der Menge des Wassers in den angezapften Flüssen Spree und Schwarze Elster ab. Einerseits wird so viel wie möglich davon gebraucht, um das aus den Tiefen der Gruben nach oben strömende saure Grundwasser zu neutralisieren. Andererseits darf der flussaufwärts gelegene Spreewald nicht austrocknen. Spätestens 2015 sollen die ersten Wasserwanderkarten mit dem kompletten Netz erscheinen.Claus-Dieter Steyer

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