Kanu-Weltmeisterschaft : Deutsche Kanuten wollen Krone zurück

Es sind die größten Kanu-Weltmeisterschaften die es je gab. Der deutsche Verband tritt mit dem Anspruch an, am Ende die Nationen-Wertung anzuführen. Noch wichtiger ist aber der Kampf um die Plätze für die Olympischen Spiele.

Christian Kunz[dpa]

DuisburgBei den größten Kanu-Weltmeisterschaften überhaupt will sich die deutsche Flotte die WM-Krone zurückholen und alle 12 möglichen Startplätze für die Olympischen Spiele 2008 in Peking buchen. Von diesem Donnerstag an bis zum Sonntag kämpft der Deutsche Kanu-Verband (DKV) mit dem Rekord-Aufgebot von 32 Athleten in 25 der 27 WM-Disziplinen um Edelmetall. "In den zwölf olympischen Disziplinen wollen wir 6 bis 8 Medaillen, möglichst 3 bis 4 mal Gold", sagte DKV-Sportdirektor Jens Kahl vor den Mammut-Wettkämpfen. Er sieht die sieben noch aktiven Athen-Olympiasieger um den Neubrandenburger Andreas Dittmer als aussichtsreiche Gold-Kandidaten.

852 Athleten aus 90 Nationen gehen an den Start der 1,5 Millionen Euro teuren Veranstaltung in Duisburg, wo nach 1979, 1987 und 1995 zum vierten Mal um WM-Ehren gekämpft wird. "Diese Weltmeisterschaften sind mit Abstand die größten Titelkämpfe, die je stattgefunden haben", sagte Weltverbands-Präsident Ulrich Feldhoff. Angesichts der Medaillenflut, bei dem der Zuschauer schon einmal den Überblick verliert, erklärte Feldhoff, dass man das Programm straffen müsse. Vielleicht ist der 200-Meter-Sprint bald nicht mehr dabei, sondern nur noch die Rennen über 500 und 1000 Meter.

Vor einem Jahr im ungarischen Szeged musste sich der erfolgsverwöhnte DKV mit Rang zwei in der Nationenwertung und vier Titeln hinter Ungarn zufrieden geben, nun soll die Revanche erfolgen. Doch viel wichtiger sind die Peking-Plätze. "Wenn alle Kanuten, die eine Medaille holen möchten, das auch tun, dann erfüllen wir uns den Traum von allen zwölf Quotenplätzen", sagte Bundestrainer Reiner Kießler, der gespannt ist, wie sich das deutsche Team vor heimischer Kulisse schlägt. "Viele Freunde und Angehörige können dabei sein und mitfiebern, aber auch einen gewissen Druck aufbauen."

Doping auch Thema bei Kanu-WM

Damit dürfte Routinier Andreas Dittmer bei seiner letzten WM keine Probleme haben. Der 35-Jährige geht im Canadier-Einer über 500 und 1000 Meter an den Start. "Auf beiden Strecken wird angegriffen", verkündete der dreimalige Olympiasieger, der nach den Spielen in Peking seine glanzvolle Karriere beenden möchte. Heiß auf die Heim-WM sind auch die Seriensieger im Kajak-Zweier über 500 Meter, Ronald Rauhe und Tim Wieskötter aus Potsdam. Seit ihrem dritten Rang bei Olympia 2000 sind sie in Titelrennen ungeschlagen. "Wir würden uns ungern nach sieben Jahren im eigenen Land vom Thron stoßen lassen", sagte der zehnmalige Weltmeister Rauhe.

Trotz aller sportlicher Euphorie kommen auch die Kanuten nicht um das brisante Thema Doping herum. "Wir werden in Duisburg die Anzahl der Dopingkontrollen verdoppeln", sagte Feldhoff. Insgesamt 60 Sportler müssen sich dem Testverfahren unterziehen. Feldhoff wollte sich während der Sitzung des Exekutivkomitees des Weltverbands ICF am Mittwoch dafür einsetzen, dass bereits in den Semifinals Kontrollen stattfinden. Die 32 deutschen Teilnehmer mussten vor der WM Ehrenerklärungen unterschreiben.

Zu Gesprächen wird es im Ruhrgebiet auch zwischen dem DKV und der pausierenden Rekord-Olympionikin Birgit Fischer kommen. Die 45-Jährige, die acht Mal olympisches Gold erpaddelte, ist seit zwei Jahren nicht mehr im Nationalteam. Da sie sich rechtzeitig für Dopingkontrollen zurückgemeldet hat, könnte sie im kommenden Jahr die Qualifikations-Wettkämpfe des DKV mitfahren und sich einen Platz im Peking-Aufgebot sichern - es wären ihre siebten Spiele.