Der Tagesspiegel : Karl-Liebknecht-Stadion: Flutlichtmasten stören das Weltkulturerbe

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Bei der gestrigen Heimpremiere des SV Babelsberg in der Zweiten Bundesliga bewegten die Fans nicht nur sportliche Themen. Der Stadionausbau und vor allem die notwendige Flutlichtanlage bestimmten die Diskussionen auf den Rängen. Denn der Standort des ehrwürdigen Karl-Liebknecht-Stadions direkt am Schlosspark Babelsberg stellt die Planer vor besondere Probleme, die anderswo überhaupt keine Rolle spielen. Potsdam gehört zum Weltkultererbe und muss deshalb sensibel mit Bauarbeiten aller Art umgehen. Flutlichtmasten würden den Blick vom Flatowturm stören und die Stadtsilhouette in diesem Viertel beträchtlich stören, argumentieren die Denkmalpfleger und die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Der Verein braucht jedoch laut Auflagen des Deutschen Fußballverbandes (DFB) für Abendspiele eine ausreichende Beleuchtung des Spielfeldes.

"Denkmalpflege und Stiftung haben unsere Baupläne noch nicht abgelehnt", stellt Babelsberg-Manager Oskar Kosche klar. "Sie haben nur ihre Bedenken geäußert. Wir befinden uns in Gesprächen." Diese würden ohne Zeitdruck stattfinden. Präsident Detlef Kaminiski hatte jedoch kürzlich damit gedroht, einige Heimspiele im Berliner Mommsenstadion auszutragen. Bis zum Juni nächsten Jahres müssten die Forderungen des DFB erfüllt werden.

Inzwischen wird sogar diskutiert, ob abklappbare Masten montiert werden könnten. Nur während der Spiele würden sie dann ihre volle Länge erreichen. Allerdings wären die "abgeknickten Giraffen" immer noch 22 Meter hoch und damit weiterhin unübersehbar. Die Schlösserstiftung signalisierte bereits, dass sie so einer Variante kaum zustimmen werde. Seit dem Bau des riesigen Potsdam-Centers am Bahnhof, das große Proteste der Unesco ausgelöst hatte, reagieren die Behörden in der Landeshauptstadt übervorsichtig.

Nicht nur von den Denkmalschützern bläst dem Verein mächtiger Wind entgegen. Die Bürgerinitiative "Schöneres Babelsberg" hält den Standort des Karl-Liebknecht-Stadions im Wohngebiet mit engen Straßen für ungeeignet. Sie fürchtet eine Massenpanik, falls es zu Auseinandersetzungen rivalisierender Fans kommt. Wie sich gestern zeigte, empfiehlt sich ohnehin zu den Heimspielen eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Dennoch wird in Potsdam wieder verstärkt über einen Stadionneubau diskutiert. Pläne dafür gibt es, doch es fehlt wie so oft auch hier am Geld. Viele Fans dagegen wollen weiter im "Karli", wie das Stadion seit Jahrzehnten liebevoll genannt wird, spielen. Hier sei schließlich mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga der bislang größte Erfolg der Vereinsgeschichte erreicht worden.

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