Der Tagesspiegel : Karl-Liebknecht-Stadion: Grün und klappbar ist der Kompromiss

Stefan Jacobs

Im Streit um die künftige Flutlichtanlage des Karl-Liebknecht-Stadions in Potsdam-Babelsberg zeichnet sich ein Kompromiss ab: Voraussichtlich werden grüne Masten installiert, die über ein Gelenk eingeklappt werden können. So würden die Flutlichtmasten ein wenig wie Bäume aussehen oder - noch besser - gar nicht auffallen. Der SV Babelsberg 03 braucht die Beleuchtung, weil er in die zweite Fußball-Bundesliga aufgestiegen ist, aber laut DFB-Reglement ohne Flutlicht keine Heimspiele austragen könnte.

Dagegen hatten sich Denkmalschutzbehörden und die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten gesträubt. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich der Unesco-geschützte Schlosspark Babelsberg. Die Hüter des Weltkulturerbes fürchten, dass riesige Lichtmasten die Sicht vom historischen Flatowturm beeinträchtigen und die Silhouette der Stadt verschandeln: "Wenn man vom Flatowturm aus ein Foto von der Stadt machen will, ginge das mit diesen Masten im Vordergrund kaum", sagt Yvonne Rehhan von der Schlösserstiftung. Das sei besonders problematisch, weil der Turm in der Regel gut besucht sei.

Detlef Kaminski, Präsident des SV Babelsberg 03, sagt, man sei "auf gutem Weg" und versuche, "eine Einigung mit allen Beteiligten hinzubekommen". Die diplomatische Formulierung ist ihm wichtig, damit sich die Fronten nicht wieder verhärten - jetzt, wo eine Lösung endlich greifbar scheint. Doch während Kaminski auf eine Entscheidung noch in diesem Monat hofft, will sich Rehhan auf keinen Termin festlegen. "Unsere Stiftung ist im Gespräch mit Stadt und Landesdenkmalamt, um in absehbarer Zeit eine Lösung zu finden", sagt sie nur. Auch zur favorisierten technischen Lösung will sie sich nicht äußern.

Dagegen bestätigt der Manager des Fußballvereins, Oskar Kosche, dass es wohl auf grüne, klappbare Masten hinauslaufen werde. "Das ist zwar teurer als alles andere", aber die Finanzierung sei gesichert. Stichtag für die Fertigstellung ist der 30. Juni 2002. "Es ist also noch nicht so, dass uns hier der Exitus droht", sagt Kosche.

In der Vergangenheit hatten Verantwortliche des Vereins laut über einen Weggang aus Babelsberg nachgedacht, falls es zu keiner Lösung kommen sollte. So war vom Berliner Mommsenstadion als möglichem Ausweichquartier die Rede. Diese Variante ist jetzt offenbar vom Tisch.

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