Der Tagesspiegel : Karneval: Wenn es in Cottbus Konfetti und Bonbons regnet

Claus-Dieter Steyer

Der Präsident des Karneval-Verbandes Lausitz hatte nicht zu viel versprochen. "Wir bringen Cottbus zum Kochen", rief Frank Czepok. Rund 100 000 Zuschauer entlang der Strecke des "Zuges der fröhlichen Leute" durch das Stadtzentrum ließen sich am Nachmittag von den rund 75 Vereinen und Gruppen mit ihren frechen Sprüchen, farbenfrohen Kostümen und Festwagen begeistern und zum Jubeln, Tanzen oder Singen mitreißen. Die große und kleine Politik lieferte den Anlass für Plakate, Verkleidungen und deftige Lieder.

Besonders der örtliche Korruptionsfall, in dem Rathausangestellte einzelne Firmen mit kommunalen Aufträgen bevorzugt haben sollen, wurde aufs Korn genommen. "Der erste Rohstoff nach der Wende aus Cottbus - Filz" oder "Alles klar zur Ent-Filzung" hieß es beispielsweise auf Plakaten und Festwagen. Demonstrativ präsentierten sich einige Vereine in weißen Westen.

Auch das Gerangel um das viel zu kleine und unkomfortable Stadion des FC Energie spielte eine Rolle. "Daraus werden Fans nicht schlau, planten Narren diesen Stadionbau?", meckerten Fans. Auch Spieler und Funktionäre waren mit einem Festwagen. Über die Stimmung auf dem riesigen Sattelschlepper brauchte sich niemand zu sorgen. Der Überraschungssieg am Freitag in Leverkusen versetzten Mannschaft und Anhänger in beste Laune. Nur Trainer Eduard Geyer wurde vergeblich gesucht. "Der genießt wohl den Erfolg ungestört in Dresden", sagte Energie-Idol Detlef Irrgang.

Ein besonderes Fußball-Thema des vergangenen Jahres hatte sich ein anderer Faschingsverein zum Thema gewählt. Ein großes Wasserbehältnis enthielt angeblich die Haarprobe von Ex-Trainer Christoph Daum. Entsprechend sarkastisch fielen die Sprüche an den Wagen aus: "Kokain und Drogen - alles nur gelogen" oder "Man merkt es an der Atmosphäre - es gab gar keine Daum-Affäre".

Doch im Konfetti- und Bonbonregen erkannten die Zuschauer auch die Lage von Cottbus inmitten einer landwirtschaftlich geprägten Umgebung. Die Karnevalsvereine aus den Dörfern kamen um das Thema BSE nicht herum. "Liebe Bauern! Wollt ihr Kummer oder Sorgen, Renate Künast wird es euch besorgen", formulierte eine Gruppe respektlos, "Lieber Schwein beim Karneval als BSE im Rinderstall" eine andere. Ein Verein bot mitten im Festumzug einen "BSE-Schnelltest" an. Die etwas undefinierbare Flüssigkeit aus einer Kuh-Attrappe wurde gleich in 0,7-Liter-Flaschen abgefüllt und an das Publikum verschenkt. Sie roch verdächtig nach Alkohol und erwies sich angesichts der niedrigen Temperaturen tatsächlich als Trunk zur Erwärmung.

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