KARRIERE-Frage : Habe ich ein Recht auf gleichen Lohn?

Martina Perreng, Arbeitsrechtlerin beim DGB antwortet

an Martina Perreng

Ich bin Projektleiterin in einer großen Firma. Zwei männliche Kollegen haben die gleiche Position wie ich. Jetzt habe ich erfahren, dass beiden nicht nur bedeutend mehr Gehalt gezahlt wird. Sie werden beruflich auch mehr gefördert durch Führungskräfteschulungen, Sprachkurse und ähnliches. Und das, obwohl ich im vergangenen Jahr mehr Aufträge eingeworben und durch Zahlen belegbar mehr Umsatz eingebracht habe. Ich fühle mich völlig diskreditiert. Was kann ich tun?





Einen allgemeinen Rechtsgrundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ gibt es nicht. Der in diesem Sinne formulierte arbeitsrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz wird durch die Vertragsfreiheit begrenzt: Wird kein Tarifvertrag angewendet und hat jeder Beschäftigte die Vergütung mit dem Arbeitgeber individuell vereinbart, haben Sie keinen Anspruch darauf, genauso behandelt zu werden wie Ihre Kollegen. Nur wenn der Arbeitgeber generell bestimmte Vergütungsregeln anwendet, und nur bei Ihnen eine Ausnahme gemacht hat, kommt der allgemeine Gleichbehandlungsgrundsatz in Betracht. Dann haben Sie Anspruch auf gleiche Vergütung und Behandlung.

Darüber hinaus kann Ihre schlechtere Vergütung, zumal Sie das Gefühl haben, als Frau nicht ernst genommen zu werden, gegen das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verstoßen. Dort ist geregelt, dass niemand wegen seines Geschlechts benachteiligt, also auch nicht schlechter bezahlt oder von Weiterbildungsmaßnahmen ausgeschlossen werden darf.

Allerdings müssen Sie, um Ihre Ansprüche durchzusetzen, Indizien vorlegen, die eine Benachteiligung aufgrund der Tatsache, dass Sie eine Frau sind, vermuten lassen: Die Tatsache, dass Ihre beiden Kollegen deutlich besser bezahlt werden und nur ihnen Weiterbildungsmaßnahmen ermöglicht werden, könnte dafür ein Indiz sein. Auch die Tatsache, dass Sie schlechter bezahlt werden, obwohl Ihre Ergebnisse besser sind, lassen darauf schließen, dass nicht objektive Gesichtspunkte oder das bessere Verhandlungsgeschick Ihrer Kollegen ausschlaggebend für die Vergütung waren, sondern vor allem das Geschlecht.

Hält ein Gericht die Indizien für ausreichend, muss der Arbeitgeber den Nachweis führen, dass keine Benachteiligung vorgelegen hat – oder das die Benachteiligung gerechtfertigt ist. Kann er das nicht beweisen, dann haben Sie Anspruch auf Ersatz des materiellen Schadens, das heißt auch auf rückwirkende Nachzahlung der höheren Vergütung, auf künftige Beteiligung an den entsprechenden Fördermaßnahmen sowie auf eine Entschädigung für den erlittenen immateriellen Schaden, also auch auf eine Art Schmerzensgeld. Foto: Promo

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