Kartenvorverkauf : Alle wollen zum Bollywoodstar

Jetzt stehen sie wieder Schlange: In zwei Tagen beginnt die Berlinale und für wahre Cineasten die schönste Zeit des Jahres. Um den indischen Superstar Shah Rukh Khan einmal live zu sehen, nehmen seine weiblichen Fans so einige Strapazen auf sich.

Torsten Landsberg[ddp]
Berlinale Vorverkauf
Großer Andrang. Berlinale-Karten sind auch dieses Jahr heiß begehrt. -Foto: ddp

BerlinVon zwei Seiten reihen sich die Menschenschlangen vor den Vorverkaufsschaltern in den Potsdamer Platz Arkaden. Kurz vor dem Verkaufsstart für die Tickets der Berlinale stehen und sitzen die Filmfans unruhig auf dem ausgelegten roten Teppich. Einige rollen Isomatten ein, auf denen sie die Nacht über campiert haben. Ganz vorne stehen weibliche Fans des indischen Schauspiel-Superstars Shah Rukh Khan. Dessen Film "Om Shanti Om" feiert auf der Berlinale Deutschlandpremiere.

Wahre Fans können nicht warten

"Den kennen wir aber schon", sagen viele der Wartenden. Wahre Fans können nicht abwarten, bis eine neue Produktion der indischen Filmindustrie Bollywood in Deutschland erhältlich ist: "Das holt man sich vorher als Raubkopie mit schlechten Untertiteln." Statt des Films wollen sie ihr Idol sehen - leibhaftig! Khan hat sich für die Premierenvorführung seines Films am Freitag und eine Diskussionsrunde am Sonntag unter dem Titel "Love International" angekündigt.

Als erste am Schalter steht eine junge Frau mit blassem Gesicht und roten Augen. Seit wann sie auf den Beinen ist, weiß sie nicht genau, am Schalter wartet sie jedenfalls schon seit Montag um 9 Uhr. Sie ist eigens aus Essen angereist, um ihrer Mutter eine Karte für "Om Shanti On" zu ergattern. Nur einmal hat sie sich von ihrem Platz entfernt, um etwas zu essen und frische Luft zu schnappen: "Wenn sich verdächtige Personen genähert haben, war ich aber sofort zurück!"

Erst in den hinteren Reihen finden sich Cineasten, denen Bollywood einerlei ist: "Nee, danke!", sagt einer, der sich für das Panorama-Programm interessiert, in dem Filme renommierter Regisseure neben Debütfilmen gezeigt werden.

Nummern statt Namen

Auch vor dem Kino International in Mitte haben es viele auf das Gesamtkunstwerk Khan abgesehen: "Der ist einfach ein Erlebnis", sagt eine Schülerin. "Der sieht gut aus und ist ein toller Schauspieler". Fünf Minuten vor dem Verkaufsstart informiert ein Kinomitarbeiter die Menge darüber, dass beim Kartenkauf nicht der Filmname, sondern eine Nummer angegeben werden muss, die in den Berlinale-Heften neben dem gewünschten Film steht. Der Ankündigung folgt ringsum ein hastiges Blättern.

"Das ist das erste Mal mit den Nummern", sagt eine Rentnerin. Die erfahrene Berlinale-Besucherin hat sich vorbereitet, in der Hand hält sie ihren persönlichen Spielplan samt Nummern. 14 Filme hat sie sich vorgenommen, an Shah Rukh Khan ist sie nicht interessiert. "Ich bin gezwungen, Filme mit deutschen Untertiteln zu sehen", sagt sie. Für andere Filme reiche ihr Englisch nicht aus.

Schuleschwänzen für Tickets

Pünktlich um 10 Uhr öffnet der erste Schalter. Die Wartenden an der gegenüberliegenden Kasse klopfen ungeduldig gegen die Glasscheibe, bis endlich auch die zweite geöffnet wird. Eine Mutter lacht hysterisch, als sie die ersten Tickets in der Hand hält - natürlich für "Om Shanti Om". Um sicherzugehen, hatte sie ihren Sohn mit einem Freund schon am Vorabend um 18 Uhr vor das Kino geschickt. "Ich hab sie mit warmem Tee versorgt", sagt sie. Für die Schule wird ihr Sohn "heute mal entschuldigt".

Auch auf der anderen Seite des Foyers gibt es Grund zur Freude. Zwei Frauen haben Karten für Khans Film erstanden. Sie gehören zu den letzten, die Tickets für "Om Shanti Om" bekommen - nach sieben Minuten ist der Film ausverkauft. "Das geht nicht mit rechten Dingen zu", mutmaßt ein enttäuschter Fan. "Das ist eine Frechheit, dass man so lange ansteht und dann leer ausgeht!" Tatsächlich kommt nur ein Drittel der Premierenkarten in den freien Verkauf. Ein Khan-Fan nimmt es dennoch gelassen: "Shanti heißt Frieden."