''Katyn'' : Film über Sowjet-Massaker auch in Moskau?

Lange wurde die Erschießung von 4000 Menschen auf Geheiß Stalins in der Sowjetunion geheim gehalten. Der polnische Regisseur Andrzej Wajda nahm sich des Geschehens nun in einem Film an, den er gerne auch in der russischen Hauptstadt zeigen würde.

WAJDA-KATYN
Regielegende. Andrej Wajda würde seinen Film "Katyn" gerne auch in Moskau vorführen.Foto: AFP

Frankfurt/MainDer Kinofilm "Katyn" über das Massaker des sowjetischen Geheimdienstes 1940 an tausenden polnischen Kriegsgefangenen im heutigen Weißrussland wird möglicherweise auch in Moskau gezeigt. "Das Polnische Institut in Moskau versucht zu erwirken, dass der Film im dortigen 'Domkino' gezeigt wird", sagte der Regisseur des Films, Andrzej Wajda, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Dort sei schon sein Politdrama "Asche und Diamant" (1958) gelaufen, lange bevor es im Rest der Sowjetunion zu sehen war.

Oscar-Preisträger Wajda ist der Ansicht, dass "Katyn" auch für das ausländische Publikum interessant ist, weil das Massaker gleichzeitig eine "Sünde des Westens" darstelle. "Es war auch eines der vielen Zugeständnisse, die England und Amerika an Stalin machten, um den Krieg zu gewinnen", fügte Wajda hinzu, dessen Vater als Offizier im Krieg umkam.

Eigentlich wollte der polnische Regisseur den historischen Stoff schon früher realisieren. "Zum einen gab es keine literarische Vorlage. Erst jetzt entstehen die ersten belletristischen Werke über Katyn, was übrigens stark auf den Film zurückzuführen ist", sagte der 81-jährige Filmemacher. Zum anderen seien alle früheren Drehbücher von jungen Autoren geschrieben worden, für die dieses Thema zu weit entfernt sei.

Seit dem 17.September läuft "Katyn" in den polnischen Kinos. Es ist der erste Film über das Massaker. Auf der Berlinale 2006 erhielt Wajda für sein Lebenswerk den Goldenen Bären, 2000 den Ehren-Oscar. Mit den Filmen "Der Kanal" und "Asche und Diamant" zählt Wajda zu den bedeutendsten Filmregisseuren Polens. (mit ddp)