Der Tagesspiegel : Kaum Frauen an der Spitze der Verwaltungen

Gleichstellungsbericht rügt mangelnde Chancen für Mitarbeiterinnen im öffentlichen Dienst

Michael Mara

Potsdam - Deutschland hat jetzt zwar eine Bundeskanzlerin – doch das Sagen in den öffentlichen Verwaltungen haben nach wie vor Männer. So haben Frauen in Brandenburgs Landesverwaltung „nach wie vor schlechtere Karrierechancen als Männer“, wie der jüngste Gleichstellungsbericht des Frauenministeriums rügt, den das Kabinett heute bestätigen und an den Landtag weiterleiten will. Obwohl der Landtag vor gut zehn Jahren ein so genanntes Gleichstellungsgesetz beschloss, nach dem den Frauen gleiche Aufstiegschancen eingeräumt werden sollen, gilt immer noch: Je höher die Position, desto geringer der Frauenanteil.

„Es gibt immer noch zu wenig Frauen in Spitzenpositionen“, rügt denn auch das Frauenministerium. Behördenleiterinnen seien „eher die Ausnahme“. In den Ministerien seien nur zehn Prozent der Abteilungsleiter Frauen. Es gebe nicht einmal eine Staatssekretärin. Nur drei von neun Ministerien würden von einer Frau geführt. Die SPD stellt zwar den Ministerpräsidenten und fünf Minister, bringt es aber nur auf eine Ministerin. Paritätisch hat die CDU ihre vier Ministerien besetzt: Zwei Frauen und zwei Männer führen sie. Laut Gleichstellungsbericht müssen Frauen auch zurückstehen, wenn es darum geht, das Land in Aufsichtsräten, Beiräten, Sachverständigen- und anderen Gremien zu vertreten: Nur etwa jedes vierte Mandat wird derzeit mit einer Frau besetzt.

Dabei ist die Mehrzahl der Beschäftigten in Brandenburgs öffentlichem Dienst weiblich – bei steigender Tendenz: Von 1994 bis 2003 ist der Anteil der Frauen von 50,7 auf 51,7 Prozent gestiegen. Immerhin stellt der Bericht auch „positive Tendenzen“ fest: Im so genannten höheren Dienst der Verwaltung ist der Frauenanteil seit 1994 von 29,6 auf 38 Prozent gestiegen, im gehobenen Dienst von 47,8 auf 50,5 Prozent. Laut Ministerium könnte sich der Frauenanteil speziell im höheren Dienst der öffentlichen Verwaltung des Landes in den nächsten Jahren weiter verbessern. Der Grund wäre allerdings ein rein biologischer: In den nächsten fünf Jahren werden rund sechs Prozent der Beschäftigten „wegen Erreichens der gesetzlichen Altersgrenze aus dem Dienst ausscheiden“. Die Mehrzahl von ihnen – 87 Prozent – sind Männer. Damit werde sich „statistisch automatisch die Beschäftigungsposition von Frauen im Landesdienst verbessern“.

Was die wirklichen Spitzenpositionen angeht, so wagt das Ministerium lieber keine Prognose. Es hat auch kein Rezept parat, wie man mehr Frauen in Spitzenpositionen bringen kann. Auf jeden Fall sollten diese, um das notwendige Umdenken in der Gesellschaft zu beschleunigen, Karriereziele viel energischer als bisher verfolgen, rät Frauenministerin Dagmar Ziegler (SPD).

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