Der Tagesspiegel : Kein Spaßpark

Claus-Dieter Steyer

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Rad fahren, Joggen, Ball spielen, Hunde von der Leine lassen. Die Menschen zieht es nach wie vor in Scharen in die Parkanlagen rund um die Schlösser. Hier fühlen sie sich wohl, kümmern sich allerdings auch nur wenig um die Parkordnung und fügen der Aufzählung von Verboten eher noch weiteren Unfug hinzu: Sie baden in den Springbrunnen oder rasen mit dem Mountainbike die Sanssouci-Terrassen hinunter.

Und plötzlich ist das Geschrei groß, wenn sich die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten zu drastischen Schritten entschließt. Als Hüterin des einmaligen Schatzes muss sie die Besucher nun mit Bußgeldern erziehen. Aufgebrachte Bürgerinitiativen wie in Babelsberg beschwören deshalb gleich den Untergang herauf. Zehntausende Menschen würden durch die Parkordnung ihrer Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten beraubt, heißt es.

Dabei ist die Stiftung der falsche Adressat. Die ehemals königlichen Schlösser und Parks in Potsdam und Berlin gehören nicht ihr, sondern sind ideeller Besitz der ganzen Menschheit. Das hört sich für den Moment gewaltig an, steht aber in den Statuten für Unesco-Welterbestätten. Mit der Durchsetzung der Parkordnung auch durch Bußgelder erfüllt die Stiftung also nur den Auftrag zur Bewahrung dieser herausragenden Kulturstätten.

In der Hauptpflicht aber steht die Potsdamer Stadtverwaltung. Sie müsste die Kinderspielplätze, Hundeauslaufstrecken oder Freibäder so attraktiv machen, dass niemand mehr Sanssouci, Babelsberg oder den Neuen Garten zum aktiven Freizeitspaß braucht. Der fast vergessene Buga-Park könnte ein Anfang sein.

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