Kernenergie : Die Mitglieder der Vattenfall-Kommission

Branchenkenner bezweifeln die Unabhängigkeit der von Vattenfall eingesetzten und finanzierten Experten-Kommission. Umweltschützer kritisieren die Berufung der Kommission als "PR-Geschichte". Wir stellen die Mitglieder kurz vor.

GeesthachtMithilfe einer "unabhängigen Experten-Kommission" möchte Vattenfall nach der Pannenserie in seinen Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Fünf Millionen Euro stellt der Energiekonzern der fünfköpfigen Kommission für ihre Analyse zur Verfügung. Doch Branchenkenner bezweifeln die Unabhängigkeit des von Vattenfall eingesetzten und finanzierten Gremiums, Umweltschützer kritisieren die Berufung der Kommission als "PR-Geschichte ohne Substanz" oder "Vernebelungstaktik". Das Bundesumweltministerium hatte die Entsendung von eigenen Experten in die Kommission mit Verweis auf die "Unabhängigkeit der Atomaufsicht" abgelehnt. Wir stellen die Kommissionsmitglieder kurz vor:

Der Atomwissenschaftler Adolf Birkhofer gilt allgemein als atomkraftfreundlich, die Atomkraft als sein Lebenswerk. Der 73-Jährige ist emeritierter Professor für Reaktordynamik und Reaktorsicherheit der Technischen Universität München. Er gehörte mehr als 30 Jahre lang der Reaktor-Sicherheitskommission an, die die Bundesatomaufsicht berät. Bis 2001 leitete er die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit. Birkhofer ist Präsidiumsmitglied des Deutschen Atomforums und gehört dem Herausgeberbeirat der Zeitschrift "atw" (Atomwirtschaft) an - bis vor Kurzem gemeinsam mit dem inzwischen entlassenen Geschäftsführer der Vattenfall-Atomenergiesparte, Bruno Thomauske.

Auch Peter Hans Hirt ist als Befürworter der Atomenergie bekannt. Der Manager des Schweizer Energieunternehmens Atel ist zugleich als Lobbyist der Atombranche tätig: Der 58-Jährige ist Präsident des Verbands Swissnuclear. In der Diskussion über eine neue Kernenergieverordnung in der Schweiz äußerte er sich vor drei Jahren kritisch über die darin vorgesehene behördliche Atomaufsicht. Diese sei "extrem einschränkend und aufwendig und deshalb auf ein industrieübliches, effizientes Maß zu reduzieren", erklärte Hirt damals.

Wolfgang Preuß ist beim TÜV Rheinland Oberingenieur und Projektleiter für Sicherheitsmanagement in kerntechnischen Anlagen, deren Begutachtung damit zu seinen Schwerpunkten zählt. Wegen der routinemäßigen Kontakte zwischen dem TÜV und der Betreiberfirma befürchten Kritiker eine gewisse Nähe des 64-Jährigen zu Vattenfall oder bezweifeln zumindest, dass er über das bisherige Maß hinaus noch neue Anforderungen an den Betreiber formulieren könnte.

Winfried Hacker und Richard Gaul sind ebenfalls in der Vattenfall-Kommission vertreten. Hacker ist emeritierter Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie der Technischen Universität Dresden. Nachdem es in Krümmel wegen eines Missverständnisses zwischen Schichtleiter und Reaktorfahrer zu einer irrtümlichen Schnellabschaltung des Reaktors kam, soll er sein Augenmerk auf die Arbeitsabläufe in den Atomkraftwerken richten. Gaul war Chef der BMW-Konzernkommunikation und ist heute selbstständiger Kommunikationsberater. Er soll die vielkritisierte Informationspolitik von Vattenfall unter die Lupe nehmen. (mit AFP)