Kernenergie : Müller erinnert Glos an Koalitionsvertrag

Einen Tag vor dem Energiegipfel hat der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller, Wirtschaftsminister Glos aufgefordert, sich beim Atomausstieg an den Koalitionsvertrag zu halten.

Michael Müller
Michael Müller: Hält Koalitionsvereinbarungen im Gedächtnis.Foto: ddp

BonnWirtschaftsminister Michael Glos (CSU) müsse sich bezügliche der Gewinnung von Kernenergie an die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag halten, so Michael Müller (SPD), Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium. "Glos ist an den Koalitionsvertrag gebunden", sagte er der "Passauer Neuen Presse". Auch der Wirtschaftsminister müsse akzeptieren, dass die Atomkraft keine Zukunft mehr habe. Erneuerbare Energien und Energieeffizienz seien die Märkte der Zukunft. "Den großen Konzernen ist es in dieser Frage nicht an Klimaschutz gelegen, sondern an zusätzlichen Profiten mit längst abgeschriebenen Kernkraftwerken." Müller sagte weiter, der Streit um die Laufzeiten der Atomkraftwerke könne den Energiegipfel überschatten. In Wirklichkeit sehe aber niemand, der sich wirklich mit der Materie befasst hat, in der nuklearen Stromerzeugung eine Lösung des Weltklimaproblems.

Töpfer: "Man muss jetzt agieren."

Der neue Bremer Umweltsenator Reinhard Loske (Grüne) wandte sich im Vorfeld des Energiegipfels gegen längere Laufzeiten von Atomkraftwerken. Diese bedeuteten "einen Tritt in die Kniekehlen" all derer, die mit neuen Technologien in den Startlöchern stünden, sagte Loske im Deutschlandradio Kultur. Er verteidigte das von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) vertretene Ziel von drei Prozent mehr Energieeffizienz pro Jahr. Dies sei "anspruchsvoll, aber möglich". Deutschland habe hier in den vergangenen Jahren nachgelassen. Der frühere Direktor des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer (CDU) sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", die erneuerbaren Energien könnten die Kernenergie durchaus ersetzen. "Es geht nur um die Zeitpläne." Zwar sei durch einen verspäteten Einstieg in solche Technologien Zeit verloren gegangen. "Aber es macht doch keinen Sinn, rückblickend zu lamentieren", sagte der frühere Bundesumweltminister. "Man muss jetzt agieren."

Atomkraftwerke bergen Unfallrisiko für Bevölkerung

Unterdessen rief der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) nach der Wiederinbetriebnahme des Atomkraftwerks Brunsbüttel zu weiterem Widerstand gegen die Kernenergie auf. Mit dem Hochfahren des Meilers gehe der nukleare Blindflug ohne Rücksicht auf Verluste weiter, erklärte BBU-Vorstandsmitglied Udo Buchholz in Bonn. Die Bevölkerung in der Nähe von Atomanlagen sei einem enormen Unfallrisiko ausgesetzt. Zudem werde der "Atommüllberg" immer größer. Diese Situation sei unverantwortlich. Das von dem Energiekonzern Eon betriebene AKW Brunsbüttel war wegen eines Kurzschlusses am Donnerstag vom Netz genommen und am Wochenende wieder hochgefahren worden. Das nach einem Brand am Donnerstag ebenfalls abgeschaltete AKW Krümmel blieb zunächst weiterhin vom Netz. (mit AFP)