Ketziner Testanlage : Zurück in die Erde

Der erste unterirdische CO2-Speicher in der Ketziner Testanlage ist einsatzbereit. Der BUND forderte indes einen kompletten und alternativlosen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung.

Romy Richter[ddp]
Ketzin
Ein Arbeiter bringt einen Bohrer fuer das CO2SINK-Projekt in Stellung.Foto: ddp

Ketzin/Potsdam Das europäische Pilotprojekt CO2SINK zur Speicherung von Treibhausgas unter der Erde geht in die nächste Phase. Die ersten Komponenten in der Testanlage im brandenburgischen Ketzin sind nach Angaben des Potsdamer Geoforschungszentrums (GFZ) einsatzbereit. Die bereits abgeschlossene Injektionsbohrung mit einer Tiefe von 803 Meter sei nach einer Auftakt-Konferenz erstmals in Betrieb genommen worden. Die eigentliche Speicherung des die Ozonschicht zerstörenden Kohlendioxids werde im Herbst erfolgen, hieß es.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kritisierte unterdessen das Projekt. Er forderte einen "alternativlosen Ausstieg aus der klimaschädlichen Braunkohleverstromung". Es sei ungeklärt, ob die kostenintensive Speicherung überhaupt funktioniere und betriebswirtschaftlich sinnvoll sei, kritisierte der Naturschutzbund. Es ließen sich maximal 70 Prozent der CO2-Emissionen eines Kraftwerkes isolieren. Der Aufwand für die Technologie, die voraussichtlich nicht vor 2020 tatsächlich einsatzbereit sei, würde eine Erhöhung der Strompreise um 50 bis 70 Prozent nach sich ziehen.

Zudem warnte der BUND, Kohlendioxid könne schon in Konzentrationen ab fünf Prozent in der Atemluft für den Menschen gefährlich werden. Ab acht Prozent trete nach 30 bis 60 Minuten der Tod ein, hieß es weiter. 1967 mussten laut BUND schon einmal Bewohner eines Dorfes bei Ketzin evakuiert werden, weil giftiges Kohlenmonoxid aus einem unterirdischen Speicher ausgetreten war. Die Projekt-Beteiligten wiesen allerdings jegliche Sicherheitsbedenken zurück.

Junghanns: Energie-Mix erforderlich

Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) betonte, dass Klimaschutz und wirtschaftliches Wachstum keine Gegensätze seien. Die Kohleverstromung müsse jedoch sauberer werden. Darum sei die Entwicklung neuer, weitgehend CO2-freier Kraftwerkstechnologien wichtig für die Zukunft der Braunkohlenutzung. Fossile Energiequellen würden im künftigen Energie-Mix weiterhin benötigt, sagte er.

Europa-Staatssekretär Gerd Harms bezeichnete das 2004 gestartete Vorhaben als eine der "hoffnungsvollsten Technologien zur Reduzierung der Treibhausgase". Es sei eine Chance, Kohle als Energieressource weiterhin einsetzen zu können, ohne den Klimawandel zu forcieren. Bis 2009 sollen in die Testanlage 60.000 Tonnen Kohlendioxid gepumpt werden. Über zwei weitere mit Messgeräten ausgestattete Bohrlöcher wollen die Forscher prüfen, wie sich gelöstes CO2 in der Tiefe verhält.

Rachel: Verlässliche Daten fehlen noch

Der Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, Thomas Rachel, sagte, derzeit fehle es noch an verlässlichen Daten über eine langfristige CO2-Speicherung im Untergrund. Die Wechselwirkungen mit den Gesteinen müssten untersucht werden, um die industrielle Nutzung der Technologie mittelfristig zu ermöglichen. Das Bundesforschungsministerium stellt für Forschungsaktivitäten auf diesem Gebiet für die nächsten drei Jahre 45 Millionen Euro zur Verfügung.

Das Vorhaben wird den Angaben zufolge in Zusammenarbeit mit 18 Partnern aus neun europäischen Ländern realisiert. Erstmals wird untersucht, wie CO2 in tief gelegenen, mit Salzwasser gefüllten, porösen Gesteinsschichten eingebracht und gespeichert werden kann. Das Pilotprojekt wird von der EU, dem Bund und dem Land Brandenburg unterstützt. Die Koordination liegt beim Potsdamer Geoforschungszentrum.

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