Kfor-Schutztruppe : Kosovo steuert in ungewisse Zukunft

Das ungelöste Kosovoproblem überschattet die Kommando-Übergabe der Kfor-Schutztruppe. Kosovo-Albaner erwägen einseitige Unabhängigkeitserklärung - Serbien reagiert mit einer unverhohlenen Drohung.

PristinaVor dem Hintergrund zunehmend starrer Positionen der Konfliktparteien hat der deutsche Oberkommandierende der Nato-Schutztruppe Kfor das Kommando im Kosovo an seinen französischen Nachfolger übergeben. Generalleutnant Roland Kather trat das Kommando in Pristina im Beisein der Verteidigungsminister beider Länder an den Franzosen Xavier Bout de Marnhac ab. Kather bezeichnete die Lage in der südserbischen Provinz in einem Interview als "ruhig, aber nicht stabil". An der politischen Front verschärfte sich der Ton. Während die Kosovo-Albaner eine einseitige Unabhängigkeit erwogen, drohte Serbien mit Gegenmaßnahmen.

Der Kfor sei es gelungen, "ein friedliches Umfeld zu gewährleisten", sagte Kather der "Leipziger Volkszeitung". Es gebe gegenwärtig keine Anzeichen für Gewalt, da die meisten Menschen "die Nase von Gewalt voll haben".

Keine Einigkeit im UN-Sicherheitsrat

Wenig versöhnlich zeigten sich weiter die Vertreter der Konfliktparteien. "Man darf uns nicht zu lange warten lassen, bis alle Mitglieder des UN-Sicherheitsrates sich auf eine Resolution geeinigt haben", sagte der Ministerpräsident der Kosovo-Albaner, Agim Ceku. Er spielte damit auf Russland an, das den Plan eines UN-Sondergesandten für eine "überwachte Unabhängigkeit" im Sicherheitsrat scheitern ließ. Ceku sagte, die Kosovo-Albaner seien bereit, einseitig ihre Unabhängigkeit zu erklären und sich um die Anerkennung durch die EU und die USA zu bemühen.

Serbiens Außenminister Vuk Jeremic reagierte mit unverhohlenen Drohungen, nachdem Ministerpräsident Vojislav Kostunica schon am Donnerstag angekündigt hatte, Serbien werde "zurückschlagen", wenn seine territoriale Integrität verletzt werde. "Serbien wird keine Wahl haben, als sehr ernst auf Handlungen zu reagieren, die seine staatliche Souveränität und territoriale Integrität gefährden", sagte Jeremic. In Gesprächen mit der internationalen Vermittlergruppe aus EU, Russland und den USA hatten beide Parteien am Donnerstag noch zugesichert, sie würden sich mit provokativen Erklärungen zurückhalten.

Suche nach einer gemeinsamen Position in EU und Nato

Das Kosovo wird von Serbien als Wiege seiner Kultur und integraler Bestandteil seines Territoriums betrachtet. Mehr als 90 Prozent der Bewohner der Provinz sind jedoch ethnische Albaner, die nach Unabhängigkeit streben. Seit 1999 steht das Kosovo unter der Verwaltung der Vereinten Nationen. Zuvor hatte die Nato mit einer Reihe von Luftangriffen auf Serbien die brutale Unterdrückung der albanischen Unabhängigkeitsbewegung durch serbische Soldaten und Polizisten beendet. Seither gibt es keinerlei politischen Fortschritt. Serbien wird in seiner Ablehnung der Unabhängigkeit von Russland unterstützt, das eine UN-Resolution zum Kosovo mit seiner Vetodrohung zum Scheitern brachte.

Trotz der festgefahrenen Lage warnte Frankreichs Verteidigungsminister Hervé Morin bei der Kommandoübergabe in Pristina vor Alleingängen. Sowohl innerhalb der Nato als auch innerhalb der EU müsse unbedingt eine gemeinsame Position gefunden werden, sagte Morin. "Es hat in der Vergangenheit Zeiten gegeben, in denen Europa keine gemeinsame Haltung auf dem Balkan hatte, und wir haben die Konsequenzen erlebt", erinnerte Morin an die aus Sicht Frankreichs vorschnell vollzogene Anerkennung Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas durch Deutschland in den neunziger Jahren. Sein Aufruf richtete sich auch an die USA, die schon mehrfach ihre Bereitschaft signalisierten, das Kosovo einseitig anzuerkennen. (mit AFP)