Der Tagesspiegel : Kinder als Geiseln

Claudia von Salzen

Am Morgen des 1. September bereiten sich Kinder und Eltern in Russland auf ein Fest vor: den ersten Schultag. Doch in der Schule Nummer eins im nordossetischen Beslan verwandelt sich die Feier in etwas, das schlimmer ist als jeder Albtraum: Bewaffnete Männer stürmen die Schule und nehmen mehr als 1200 Menschen als Geiseln. Der Terror, den die Welt seit dem 11. September fürchtet, bekommt eine neue Dimension: Zum ersten Mal wählen Terroristen Kinder als Opfer aus. Die Bilder von Kindern, die nackt und schreiend aus der Schule flüchten, gehen um die Welt.

Bis heute ist nicht klar, wie die Geiselnahme endet. War eine der in der Turnhalle angebrachten Bomben versehentlich explodiert? Hatten aufgebrachte Bürger auf eigene Faust das Feuer eröffnet? Griffen Spezialeinheiten wirklich erst ein, als Terroristen fliehende Kinder erschossen? Nach offiziellen Angaben sterben mehr als 330 Menschen. Zu der Geiselnahme bekennt sich später der tschetschenische Terrorist Schamil Bassajew.

Vom ersten Tag an geraten die Behörden in die Kritik. Warum gaben sie die Zahl der Geiseln zu niedrig an? Warum versuchte der Krisenstab nicht, auch nur den Anschein zu erwecken, an Verhandlungen interessiert zu sein? Der Kreml will die Taktik des Verschweigens fortsetzen und verhindern, dass Ergebnisse der Untersuchung veröffentlicht werden. Erst nach massiven Protesten wird eine Kommission der Duma mit einer Untersuchung beauftragt.

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