Der Tagesspiegel : Kinder demonstrieren – Autofahrer sitzen fest

Verstopfte Straßen rings um den Großen Stern durch Kerzenaktion

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Nichts ging mehr gestern Nachmittag auf den Straßen der Innenstadt rings um den Großen Stern. Fast überall standen die Autofahrer nur noch im Stau. Busse der BVG hatten Verspätungen bis zu zwei Stunden; andere Linien wie der 100er mussten eingestellt werden oder endeten an UBahnhöfen. Auch die Polizei war von den Auswirkungen der Kerzenaktion „Lichterstadt Berlin“ des Aktionskünstlers Misha Bolouri an der Siegessäule überrascht worden. Die Straßen in diesem Bereich sind schon öfter gesperrt worden. Warum es gestern zum großen Chaos kam, war am Abend noch unklar.

Zusätzlich zu den angekündigten Sperrungen der Zufahrtsstraßen machte die Polizei gegen 15 Uhr überrraschend auch die Entlastungsstraße zwischen John-Foster-Dulles-Allee und Kemperplatz sowie die Straße des 17. Juni zwischen Brandenburger Tor und Entlastungsstraße dicht. Grund sei die „absolut chaotische Situation“ um den Potsdamer Platz und auf der Leipziger Straße gewesen, hieß es am Abend bei der Polizei.

Dass die unvorhergesehene Sperrung der Nord-Süd-Verbindung nicht an die Verkehrspolizei weiter gegeben worden war, sei eine Panne gewesen. So gab es auch keine Warnungen über das Autoradio oder die Verkehrsmanagementzentrale. Der Verkehrswarndienst erfuhr erst am Abend auf Nachfrage des Tagesspiegels von der Vollsperrung der Entlastungsstraße, die bis 17.45 Uhr dauerte.

Zunächst waren wie geplant gegen 14 Uhr die auf den Großen Stern zuführenden Straßen gesperrt worden, damit die Bühnen aufgebaut werden konnten. Auch die Klingelhöferstraße wurde in Richtung Großer Stern schon ab Landwehrkanal dicht gemacht. Umleitungen waren, wie in Berlin üblich, nicht ausgeschildert.

Das Chaos verlagerte sich deshalb weg von der Siegessäule weit in die Umgebung. Besonders dramatisch war die Sperrung der Entlastungsstraße. „Totales Chaos im kompletten Citybereich“, vermeldete die Verkehrspolizei am Abend. Der Mega-Stau erreichte auch den Hardenbergplatz, wo die Busse der BVG nicht mehr wegkamen. Der Platz wurde deshalb für den Autoverkehr gesperrt.

Zu der Lichter-Demonstration für Kinderrechte kamen bis Redaktionsschluss nach Angaben der Polizei 3000 Schüler, Lehrer und Eltern. Künstler Misha Bolouri und eine Sprecherin des Hilfswerks „World Vision“ schätzten die Teilnehmerzahl noch etwas höher. Rund 100 Polizisten waren im Einsatz – „das ist für uns ein ganz normaler Großeinsatz“, sagte Polizeisprecher Martin Morack.

„Wir haben Glück mit dem Wetter. Nur der Wind macht Probleme.“ Misha Bolouri war gestern Abend mit dem Verlauf von „Lichter für Kinder“. zufrieden. „Ob wir es schaffen, eine Million Kerzen aufzustellen, weiß ich nicht.“ Allerdings sei die Zahl ohnehin symbolisch zu sehen für die vielen Kinder, die weltweit wegen Krankheiten, Hunger und Gewalt ums Leben kommen. Kritik an der Aktion an der Siegessäule wegen des Verkehrschaos versteht Bolouri nicht: Vor vier Jahren sei er nach einer Veranstaltung in Köln vom Berliner Senat eingeladen worden, die Lichteraktion in der Hauptstadt zu wiederholen.

Die nächste Sperrung rund um den Großen Stern ist bereits für Sonntag angekündigt (siehe unten). Ab 13 Uhr ist die Straße des 17. Juni zwischen dem S-Bahnhof Tiergarten und der Entlastungsstraße zu. Dann drehen wieder Inlineskater dort ihre Runden. Ha/kt/chr

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