Kindstötung : Baby ertränkt – drei Jahre Haft für Mutter

Die 23-Jährige tötete ihr Baby unmittelbar nach der Geburt. Das Landgericht Cottbus wertete die Tat als minderschweren Fall. Dennoch sei die Angeklagte voll schuldfähig.

Wolfgang Swat

Lübben - Als der Vorsitzende Richter der Schwurgerichtskammer des Landgerichtes Cottbus das Urteil verkündet, fließen Tränen: Bei der Mutter, die jeden der vier Prozesstage verfolgte, bei Verwandten, Freundinnen, Arbeitskolleginnen. Für drei Jahre und neun Monate muss Bianca Sch. (23) aus Lübben (Dahme- Spreewald) ins Gefängnis, nachdem sie im Februar 2008 ihr Baby unmittelbar nach der Geburt in der Badewanne ertränkt hatte.

Die Angeklagte nimmt das Urteil mit versteinerter Miene zur Kenntnis. Nur wer sie genau ansieht, der bemerkt, wie es in ihr arbeitet. Ohne äußerliche Regung hatte die zierliche Frau schon tags zuvor auf das ihr zustehende letzte Wort vor der Urteilsverkündung verzichtet.

Das Gericht bleibt mit der ausgesprochenen Strafe im unteren Bereich des Möglichen. Es wertet die Tat als Totschlag im minder schweren Fall, für den das Gesetz eine Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren vorsieht. Der Richter begründet das ausführlich. Die Angeklagte sei traumatisiert gewesen, habe die für sie belastenden Umstände einer Abtreibung im Jahr 2006 nicht verkraftet, sagt er. Sie habe ihre Schwangerschaft verheimlicht, weil sie der Familie und insbesondere der Mutter nicht ein neues Problem zumuten wollte. Diese hatte nach der Trennung von ihrem Partner einen Selbstmordversuch unternommen. Während der neuerlichen Schwangerschaft seien die Beziehungen von Bianca Sch. zum Kindsvater und zu einem anderen Freund in die Brüche gegangen. Außerdem habe sie für die Zukunft als alleinerziehende Mutter Einschränkungen in ihrem Job als Kellnerin und finanzielle Belastungen befürchtet, Gründe, die nach Ansicht des Gerichts für die Wertung der Kindstötung als minderschweren Fall sprechen.

Das Gericht gesteht Bianca Sch. in der Urteilsbegründung auch zu, dass sie sich nach der Geburt in einem psychischen und körperlichen Ausnahmezustand befunden hat. Und: Man habe berücksichtigt, dass die Angeklagte geständig war und ihre Tat bereut, sagt der Vorsitzende Richter.

Trotz aller mildernden Umstände betont der Vorsitzende Richter in aller Deutlichkeit: Die Angeklagte trägt die volle Schuld daran, dass ihre Tochter nur kurze Zeit leben durfte, bevor sie in der Badewanne ein paar Minuten unter Wasser gedrückt und ertränkt wurde. Bianca Sch. habe schon vor der Geburt entschieden, das Kind zu töten, so das Gericht. Ein psychiatrischer Sachverständiger hatte diese Möglichkeit während des Prozesses in einem Gutachten zwar auch in Betracht gezogen, dennoch eine Tat im Affekt und damit eine verminderte Schuldfähigkeit nicht ausgeschlossen.

Ob das Urteil rechtskräftig wird, entscheidet sich in den nächsten Tagen. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung prüfen, ob sie Revision beim Bundesgerichtshof einlegen. Verteidiger Wolfram Beck sieht sich zwar vom Gericht in der strafrechtlichen Bewertung der Tat bestätigt, hatte jedoch zusätzlich auf verminderte Schuldfähigkeit und eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren für seine Mandantin plädiert. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen einen minderschweren Fall des Totschlags ausgeschlossen und fünf Jahre Gefängnis beantragt.

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