Kindstötungen : Neuer Verdacht gegen junge Mütter

Zwei Frauen sollen ihre Babys umgebracht haben. Es war nicht das erste Mal, vermuten die Ermittler.

Sandra Dassler

Cottbus/Schwarzheide - Sie sind beide des Totschlags ihrer neugeborenen Kinder angeklagt. Und bei beiden gibt es einen furchtbaren Verdacht: Sie haben es nicht zum ersten Mal getan. Der Tagesspiegel erhielt sowohl aus dem Umfeld einer 18-jährigen Schülerin aus Schwarzheide als auch einer 25-jährigen Cottbuserin entsprechende Hinweise. Beide sollen bereits mehr als ein Jahr vor den jetzt angeklagten Kindstötungen schon einmal schwanger gewesen sein.

Im Fall der Schülerin aus Schwarzheide war dies gestern laut Pressemitteilung des Landgerichts Cottbus auch Gegenstand der Hauptverhandlung. Diese findet derzeit unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil die wegen Totschlags Angeklagte zum Tatzeitpunkt erst 17 Jahre alt war. Die Gymnasiastin soll ihren am 5. Dezember 2007 geborenen Jungen nach der Entbindung mit einem Strumpf erdrosselt haben. Die Babyleiche war später in einer Plastikbox im Zimmer der Schülerin gefunden worden.

Die Polizei hatte auch nach dem Fund der Babyleiche an mehreren anderen Orten weitergesucht. Während der gestrigen Verhandlung begründete das ein als Zeuge vernommener Kriminalist mit „Hinweisen darauf, dass die Angeklagte bereits früher einmal entbunden hatte“.

Der zuständige Staatsanwalt Martin Mache bestätigte auf Tagesspiegel-Anfrage, dass in diese Richtung ermittelt wurde. Für eine Anklage habe es aber nicht gereicht, sagte er: „Wir haben kein weiteres totes Kind gefunden, und selbst wenn die Schülerin schon einmal schwanger war, wissen wir nicht, ob die Schwangerschaft mit einer Geburt endete.“ Der Verteidiger der Schülerin wollte sich gestern nicht zu den Vorwürfen äußern.

Er lehnte auch jede Stellungnahme zum Fall einer 25-jährigen Cottbuserin ab, die er ebenfalls anwaltlich vertritt. Sie ist angeklagt, weil sie ihren am 21. April 2008 geborenen Sohn nach der Entbindung erstickt und am Gräbendorfer See im Landkreis Oberspreewald-Lausitz verscharrt haben soll. Die Frau hatte gestanden, nach einer verheimlichten Schwangerschaft ein lebendes Kind geboren und so lange gegen ihren Oberkörper gedrückt zu haben, bis es tot war.

Die 25-Jährige war durch Hinweise aus ihrem persönlichen Umfeld überführt worden. Nach Tagesspiegel-Informationen hatten Bekannte berichtet, dass die junge Frau, die eine Zeit lang in Berlin lebte, auch schon zu Beginn des Jahres 2007 hochschwanger gewesen sei.

Der zuständige Staatsanwalt Tobias Pinder wollte gestern zu dem Verdacht einer weiteren Kindstötung zunächst keine Auskunft geben. Erst auf mehrfache Anfrage räumte er ein, dass es Hinweise und auch Ermittlungen in diese Richtung gebe. „Wir ermitteln wegen des Verdachts des illegalen Schwangerschaftsabbruchs“, sagte er.

Auch in diesem Fall gibt es keine Babyleiche, und selbst wenn sich die Hinweise auf eine weitere Schwangerschaft bestätigen würden, müsse diese ja nicht mit der Tötung des Kindes geendet haben, sagte der Staatsanwalt. Für eine Anklage über die bereits gestandene Kindstötung hinaus reiche es momentan nicht, sagte Pinder: „Es besteht bislang kein hinreichender Tatverdacht.“ Der Prozess gegen die 25-Jährige soll im November beginnen.

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