Kindstötungen : Schönbohm: Nichts kann Familie ersetzen

Zerrüttete Familienverhältnisse, alternative Familienersatzstrukturen: Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm sieht hier den Ursprung für Kindstötungen. Zusammen mit seiner Frau Eveline bezieht er in einem Beitrag Position zur Lage der Familien in Deutschland.

BerlinNach der jüngsten Serie von Kindstötungen kritisiert Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) die vielerorts "zerrütteten Familienverhältnisse". "Nicht nur die Opfer stammen fast ausschließlich aus zerrütteten Familienverhältnissen, auch die Eltern haben zumeist nie erfahren, was ein funktionierendes Familienleben ausmacht", schrieb Schönbohm gemeinsam mit seiner Ehefrau Eveline in einem Beitrag für Tageszeitung "Die Welt". Sie seien überfordert, hätten keine Vorstellung von einem Leben in Familie, hätten nie erfahren, Verantwortung zu übernehmen.

Eine Gesellschaft, in der es kaum noch funktionierende Familien gebe, jede dritte Ehe geschieden werde und in der "alternative Familienersatzstrukturen" immer häufiger würden, verlerne die einfachsten Grundlagen des Zusammenlebens, heißt es weiter. Heute lebten nur noch 39 Prozent der Bevölkerung "in einer klassischen Familie", in Ostdeutschland sogar nur 32 Prozent. In Großstädten wachse jedes zweite Kind bei Alleinerziehenden oder nicht verheirateten Paaren auf.

Staatliche Umsorger ersetzten keine Familie

"In einer solchen Gesellschaft gibt es kaum noch Raum für persönliche Verantwortung, für Sittlichkeit und Respekt voreinander", schreiben Jörg und Eveline Schönbohm. "Nichts und niemand kann Familie ersetzen." Die Rolle der Eltern dürfe nicht den "staatlichen Umsorgern" übertragen werden.

Im Land Brandenburg waren im Februar drei Babyleichen gefunden worden. Die Mütter hatten die Kinder nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler in einem Fall verhungern lassen und in einem anderen Fall ertränkt. Im Sommer 2005 hatte Schönbohm nach dem Fund der neun toten Babys von Brieskow-Finkenheerd eine Welle der Empörung ausgelöst, als er die These aufstellte, dass die "Proletarisierung" durch das SED-Regime eine der Hauptursachen für Gewaltbereitschaft und Verwahrlosung in Ostdeutschland sei. (sba/ddp)

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