Der Tagesspiegel : Kino mit Überschall

In Babelsberg starten die Dreharbeiten zu dem Rennfahrerdrama „Speed Racer“

Potsdam - Diese Stummelflügel, musste das sein! Welch ein Stilbruch. Raketengleich trotzt die Nase des „Mach 5“ jedem Luftwiderstand, auch die vorderen Kotflügel sind zugespitzt wie ein Haifischmaul. Eine Einladung an jeden Autonarren, ihn zu liebkosen, die elegant geschwungenen Linien mit den Fingern entlangzugleiten, angefangen bei der abgerundeten Front, über die sichelförmige Windschutzscheibe, die weichen Linien des Hecks – bis es mit einem Mal nicht weitergeht und die eben noch zärtlich streichelnde Hand an zwei hässlichen, seltsamerweise vertikal montierten Heckspoilern hängen bleibt. Was, zum Teufel, sollen die bewirken?

Eine Frage, auf die Emile Hirsch die Antwort haben müsste, zumindest aber der von ihm gespielte Speed Racer, Titelheld in dem Rennfahrerdrama, das die Wachowski-Brüder, Schöpfer der „Matrix“-Trilogie, ab Montag für die nächsten drei Monate in Babelsberg drehen. Aber um technische Dinge ging es nicht bei der Pressekonferenz, zu der gestern rund 100 Journalisten aus mehreren Kontinenten auf dem Studiogelände versammelt worden waren. Und die Erörterung von PS-Zahlen, cW- oder gar CO2-Werten ginge an einem Filmprojekt wie „Speed Racer“ ohnehin vorbei, das auf einer japanischen Trickfilmserie basiert und dessen die Grenzen jeder Automobiltechnik sprengenden Rennsequenzen weitgehend am Computer entstehen.

Die Serie ist weltbekannt, entsprechend international war die Riege der Schauspieler, die sich zur Schau stellten und Antworten auf Fragen gaben, Schwärmereien über das Projekt vor allem oder Späßchen über ihre Rolle, die etwa von Susan Sarandon verlangt, dass sie als Mutter des jungen Helden zum ersten Mal vor der Kamera Kuchen backt. Was wiederum für John Goodman, ihrem Filmehemann, angeblich der einzige Grund war, nach Berlin zu kommen. Ein Film für die ganze Familie soll es werden, versprach Produzent Joel Silver, der schon mit „V for Vendetta“ in Babelsberg war und sich sehr lobend über die Arbeit dort äußerte. Und offenbar wird es auch ein Film für die ganze Welt, mit Schauspielern aus den wichtigsten Märkten, dem Japaner Hiroyuki Sanada etwa oder dem Koreaner Ji Hoon Jung, unter dem Namen Rain in Südostasien ein erfolgreicher Popstar.

Doch so unrealistisch die Fähigkeiten des „Mach 5“ auch ausfallen, beim Familienauto bleiben die Racers Traditionalisten: eine Citroen DS aus den Fünfzigern, genannt „die Göttin“. Ganz schlecht kann der Film da kaum werden. ac

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