Der Tagesspiegel : Kirche kippt

Das Fundament des mittelalterlichen Gebäudes in Baruth fault – für die Sanierung fehlen 100000 Euro

Claus-Dieter Steyer

Baruth. Viele Bänke kippen zur Seite, der große Altar neigt sich nach links und an den Gewölben sieht man große Risse. Die große Kirche St. Sebastian in Baruth steht teilweise auf einem äußerst wackligen Fundament. Zwar besteht nach Auskunft von Pfarrer Georg Thimme noch keine akute Einsturzgefahr. Aber die Lage sei dramatisch und verschlechtere sich mit jedem Tag. Die Pfeiler im Innern des zuletzt um 1640 komplett erneuerten Gebäudes müssten dringend stabilisiert werden. Für eine notdürftige Reparatur fehlen 100000 Euro. Doch die konnten trotz der Hilferufe an die Stadt, den Landkreis Teltow-Fläming und das Kulturministerium bislang nicht aufgebracht werden. Eigentlich sollte das meiste Geld aus dem Bundesprogramm „Dach und Fach“ kommen. Doch das wurde vergangenes Jahr eingestellt.

Unter dem Steinfundament faulen die vor Jahrhunderten in den sumpfigen Boden gerammten Eichenstämme. Das liegt an der Trockenlegung der einst feuchten Wiesen und Felder in der Umgebung der Stadt im Baruther Urstromtal vor 20 bis 30 Jahren. Dadurch sank der Grundwasserstand. An die zuvor unter Wasser luftdicht abgeschlossenen Pfeiler gelangte Sauerstoff, und der Fäulnisprozess setzte ein. Vor einigen Jahren begann die Sanierung, als die große Fürstenloge in bedenkliche Schräglage geraten war. Unter die Außenpfeiler und die Mauern der Altarseite wurde Beton gedrückt.

„Heute ist die Kirche mehr gefährdet als zuvor“, sagt Pfarrer Georg Thimme. „Denn nun sind die Außenwände zwar einigermaßen stabil, aber innen sackt der Boden ab.“ Es müsse schnell gehandelt werden. An einigen Stellen sind die Bodenfliesen schon 15 Zentimeter eingesunken. „Beton muss auch die Innenpfeiler abstützen, sonst werden die Risse in den Bögen unter dem Dach immer größer“, sagt der Pfarrer. Die beiden Türme sind dagegen nicht in Gefahr. Denn sie stammen aus dem Jahre 1907 und besitzen ein festes Fundament.

Die Baruther Kirche ist längst nicht das einzige Gotteshaus, bei dem sich die Folgen des Förderungsstopps zeigen. Auch Kirchen in der Uckermark, Prignitz und im Barnim brauchen schnelle Hilfe. Bislang trugen Bund, Land und die jeweiligen Kirchengemeinden, Kreise oder Städte jeweils ein Drittel der Sanierungskosten. Doch als sich der Bund aus dem Programm „Dach und Fach“ zurückzog, fiel das Finanzierungsgerüst zusammen.

Der Landkreis Teltow-Fläming kann wegen „außerordentlicher Haushaltsprobleme“ keine Soforthilfe leisten. Und Einnahmen durch Benefizkonzerte seien ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt Pfarrer Thimme.

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