Kirche : Marx wird Erzbischof von München

Diese Personalentscheidung lag Papst Benedikt XVI. besonders am Herzen: Keine Diözese kennt der Oberhirte rund einer Milliarde Katholiken so gut wie das Erzbistum München und Freising. Deshalb folgt der bisherige Trierer Bischof Marx auf Kardinal Wetter.

Kathrin Zeilmann,Birgit Reichert[dpa]
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Reinhardt Marx wandelt auf den Spuren des Papstes. -Foto: ddp

MünchenPapst Benedikt ist in München 1951 zum Priester geweiht worden, hier wirkte er von 1977 bis 1981 als Erzbischof. Er dürfte sich also genau überlegt haben, wen er zum Nachfolger des scheidenden Kardinals Friedrich Wetter ernennt. Was schon am Mittwoch durchsickerte, ist seit heute offiziell: Der bisherige Trierer Bischof Reinhard Marx (54) leitet künftig das oberbayerische Erzbistum mit rund zwei Millionen Katholiken und darf bald auf die Ernennung zum Kardinal hoffen.

Der eloquente Kirchenmann und profilierte Sozialethiker Marx galt schon länger als Kandidat für einen weiteren Aufstieg in der Kirchenhierarchie. Dass er nun das Heimatbistum des Papstes leiten darf, empfinde er als "großen Vertrauensbeweis", sagte Marx.

Marx gilt als ausgewiesener Sozialexperte

Nach der Promotion wurde er 1989 Direktor des Sozialinstituts "Kommende" des Erzbistums Paderborn. Das Institut fördert Aktivitäten von Christen in Betrieben und Gewerkschaften. Die Überzeugung, dass die sozial Schwachen geschützt werden müssen, vertritt er immer wieder lautstark. 1996 wurde er Professor für christliche Gesellschaftslehre in Paderborn, ein Jahr später Weihbischof. 2002 trat er sein Amt in Trier, der bundesweit ältesten Diözese, an.

Trotz aller Leutseligkeit und Offenheit, die Beobachter an Marx schätzen - der Geistliche steht treu zur aus Rom vorgegebenen Linie. Beispielhaft für Marx' strenges Durchgreifen: Den Priester Gotthold Hasenhüttl suspendierte er, weil dieser beim 1. Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin auch nicht-katholische Christen zur Teilnahme an der Kommunion einlud. 2006 wurde dem streitbaren Theologen Hasenhüttl schließlich auch noch die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen.

Im Bayerischen Fernsehen erinnerte Hans Maier, früherer Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und ehemaliger bayerischer Kultusminister, an den Konflikt um die Moraltheologin Regina Ammicht-Quinn. Marx hatte ihr die Lehrerlaubnis für die Universität Saarbrücken verweigert - und entzürnte damit vor allem Theologinnen und progressive Wissenschaftler. Ganz klar, Marx gehöre innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland zur "konservativen Linie", erklärte Maier.

Wachsendes Problem Priestermangel

In München-Freising wird Marx an der Spitze eines Erzbistums stehen, das sich in den vergangenen Jahren zwar auch Sparmaßnahmen verordnet hat. Der Sparzwang fiel aber nicht so gravierend aus wie in anderen deutschen Bistümern. Doch vor allem der zunehmende Priestermangel macht neue Strukturen erforderlich. Auch in München-Freising müssten "Modelle für eine zukunftsfähige Seelsorge entwickelt werden", stellte Generalvikar Robert Simon fest.

Wetter hinterlässt seinem Nachfolger ein Bistum, in dem in den vergangenen Jahren keine größeren Konflikte zu Tage getreten sind. Der neue Erzbischof werde ein "befriedetes Bistum" übernehmen, betonte Wetter vor einer Woche beim Korbiniansfest. In München wehe der Geist der Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) immer noch stark, sagte Christian Weisner von der Reformbewegung "Wir sind Kirche". Er hoffe, dass der neue Bischof dies aufgreife.

Marx kündigte an, er werde die neue Aufgabe "mit großer Offenheit und Bereitschaft" annehmen. Er hoffe, dass die Bayern ihn "mit offenem Herzen" aufnehmen - und "dass sie einen Westfalen auch gut akzeptieren können".