Der Tagesspiegel : Kirche will Fusion kleiner Gemeinden

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Die evangelische Kirche denkt über eine Neuorganisation ihrer Gemeindestrukturen in Berlin und Brandenburg nach. Mit diesem Thema wird sich die viertägige Herbstsynode beschäftigen, die gestern in Bernau begann und bis zum Sonnabend in Berlin weitergeführt wird. Vor allem in Brandenburg gebe es aufgrund der ländlichen Strukturen sehr viele kleine Gemeinden mit nur wenigen Mitgliedern, sagte Reinhard Lampe, Sprecher der Landeskirche. Von den insgesamt 1329 Brandenburger Gemeinden zählen 791 weniger als 200 Mitglieder, davon sogar 434 Gemeinden weniger als 100 Mitglieder.

Vor diesem Hintergrund müsse man über Fusionen von Gemeinden reden, um die Arbeit dort auch effektiv gestalten zu können, sagte Lampe. Heute könne es teilweise so sein, dass ein Pfarrer zwölf Gemeinden gleichzeitig betreue. In Berlin gibt es derzeit 213 Gemeinden. Zudem muss die Kirche mit sinkenden Einnahmen durch die Kirchensteuer rechnen. Für dieses Jahr wird von einem Rückgang von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr ausgegangen. Die Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen. Für das kommende Jahr 2002 wird mit einem Rückgang um drei Prozent gerechnet, für das Jahr darauf mit einem weiteren Minus von fünf Prozent.

Als Hauptursache für den Steuerrückgang nennt Lampe den hohen Anteil von älteren Kirchenmitgliedern im Rentenalter, die keine Kirchensteuer mehr zahlen müssen. Zudem machen sich die Auswirkungen der Steuerreform bemerkbar. Trotz dieser gesunkenen Steuereinnahmen hofft die Kirche, kein weiteres Personal abbauen zu müssen. Nur wenn es im kommenden Jahr hohe Tarifabschlüsse geben sollte, müssten Stellen mit "kw-Vermerken" (kann wegfallen) versehen werden.

Die Synode wird auch über die Einrichtung einer Schulstiftung beraten, in der die evangelischen Schulen unter einem Dach zusammengefasst werden sollen. Dieses Projekt scheiterte bisher seit Jahren aufgrund von Geldmangel. Die evangelische Kirche zählt in Berlin und Brandenburg knapp 1,3 Millionen Mitglieder, zwei Drittel davon in Berlin. Im Jahr 1999 gab es weniger als 15 000 Austritte, 1994 waren es noch 34 000.

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