Der Tagesspiegel : Kirchenstörer außer Dienst: Justiz lässt Roy ziehen

Kerstin Gehrke

Endlich geschafft. Alle in Berlin anhängigen Verfahren gegen Andreas Roy, der bundesweit als notorischer Gottesdienststörer bekannt geworden ist, sind seit gestern abgeschlossen. Und der 49-Jährige, der sich sichtlich verändert hat, konnte aufatmen: Er wehrte sich in dem Berufungsverfahren erfolgreich gegen eine Gefängnisstrafe, die im April 2005 verhängt worden war. Jetzt kam er mit 15 Monaten Haft auf Bewährung davon.

Kein Geschrei, kein Gezeter, keine endlosen Erklärungen, in denen es um Verdammnis, Sündenopfer oder den Heiligen Geist geht. In etlichen Verfahren hatte Roy die Geduld der Richter strapaziert. Der Bibelfanatiker und sein Mitstreiter Christian Arnold sind rund 50 Mal in Kirchen und öffentlichen Veranstaltungen aufgefallen. „Tut Buße“, brüllten sie immer wieder und „Kehrt um!“ Nachdem er dann im September 2005 fünf Monate Haft verbüßt hatte, schien er bekehrt. Seit damals jedenfalls scheinen die Gottesdienste vor Roy wieder sicher zu sein.

Nach den ersten Zwischenrufen im Juni 2000 hoffte man noch, die Störer würden von alleine zur Vernunft kommen – vergeblich. Roy und seine Anhänger drängten in die Öffentlichkeit. Sie krakeelten gegen die Kirche und gegen Abtreibungen. Sie warfen Handzettel und randalierten. Einmal kappte er auf dem Breitscheidplatz den Weihnachtsbaum, dann störte er bei der ZDF-Sendung „Wetten, dass…?“ Es kam zu etlichen Anzeigen wegen Beleidigung, Störung von Gottesdiensten und Sachbeschädigung. Trotz mehrerer Geld- und Bewährungsstrafen machten Roy & Co unbeirrt weiter.

Um fünf Vorfälle aus dem Jahr 2004 und eine zerbrochene Hostienschale ging es im nun offenbar letzten Prozess gegen den Störenfried. Andreas Roy trug einen weißen Anzug statt des früher üblichen T-Shirts mit der Aufschrift „Tut Buße!“. Das Gesicht glatt rasiert, die Haare ordentlich geschnitten. Und er fasste sich erstaunlich kurz: „Eigentlich ist alles gesagt.“ Die Bibel bleibe das Wichtigste für ihn, erklärte er. Aber ohne Störaktionen. „Ich bin lernfähig und reife.“

Der einstige Querulant ist laut Gericht auf einem guten Weg. Er hat gerade eine Umschulung zum Kundenbetreuer begonnen, zahlt Geldstrafen ab, denkt sogar an Heirat. Und vor allem gab es schon lange keine Störauftritte mehr. Dem Mann sei eine positive Sozialprognose zu stellen, begründete die Vorsitzende Richterin die Bewährungsstrafe. Kerstin Gehrke

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