Klagewelle : UniCredit droht Ärger wegen HVB-Übernahme

Auf die italinische UniCredit könnte eine Klagewelle mit Schadenersatzansprüchen von rund 17 Milliarden Euro wegen der Übernahme der deutschen HVB zurollen. Das übertragene Vermögen hätte nicht den tatsächlichen Werten entsprochen.

UniCredit HVB Foto: ddp
Der UniCredit könnte wegen der HVB eine Reihe von Klagen drohen. -Foto: ddp

Acht internationale Finanzinvestoren verklagen die italienische HypoVereinsbank-Mutter UniCredit auf Schadenersatz in Höhe von insgesamt 17,35 Milliarden Euro. Beim Landgericht München sei Klage gegen die italienische Großbank sowie ihren Chef Alessandro Profumo und gegen HVB-Chef Wolfgang Sprißler eingereicht worden, teilte die Kanzlei Broich Bezzenberger mit. Die Kläger fordern Schadenersatzzahlungen an die HVB. Dabei geht es um die Übertragung von Vermögenswerten von der HVB an UniCredit. Die Preise hätten dabei deutlich "unter dem objektiv am Markt erzielbaren Preis" gelegen, hieß es. Die HVB wollte sich dazu nicht äußern. Bisher liege der Bank noch keine Klage vor, sagte eine Sprecherin. Auch beim Landgericht München I war zunächst keine Bestätigung über den Eingang der Klage zu erhalten.

Den Löwenanteil der veranschlagten Milliarden-Summe macht der Verkauf der ertragreichen Bank Austria Creditanstalt an die UniCredit aus, die nach Einschätzung von Rechtsanwalt Jan Bayer von Broich Bezzenberger für "gut und gerne die Hälfte des Verkehrswertes" an die HVB-Mutter abgegeben worden sei. Hinzu kämen der Verkauf der Fonds- und der Osteuropa-Aktivitäten an UniCredit sowie Restrukturierungskosten, die von der italienischen Großbank mittels verschiedener Maßnahmen veranlasst worden seien. Die Kläger halten nach den Worten Bayers rund zehn Millionen HVB-Aktien, was einem Anteil an der HVB von 1,5 Prozent entspreche. Das ist etwa ein Drittel des noch vorhandenen Streubesitzes.

Zankapfel Bank Austria

Gegen den Verkauf der Bank Austria waren auch andere HVB-Aktionäre vor Gericht gezogen. Beim Landgericht München ist eine Reihe von Anfechtungsklagen gegen entsprechende Beschlüsse einer außerordentlichen Hauptversammlung im vergangenen Oktober anhängig. Im Mai hatten die Anleger einen Teilerfolg vor Gericht erzielt. Der Vorsitzende Richter hatte Bedenken gegen die Beschlüsse geäußert und eine neue Bewertung der früheren österreichischen Tochter ins Spiel gebracht, weil dies bei der Suche nach einem Kompromiss hilfreich sein könnte. Auch auf der voraussichtlich letzten Hauptversammlung der HVB am kommenden Dienstag (26. Juni) dürfte die Übertragung der Vermögenswerte sowie die geplante Zwangsabfindung der Kleinaktionäre für Zündstoff sorgen.

Sollte der Schadenersatz-Klage der Finanzinvestoren in vollem Umfang stattgegeben werden, würde sich die Barabfindung für die verbliebenen Aktionäre von wie bisher geplant 38,26 Euro auf etwa 60 Euro erhöhen, sagte Bayer. Dieser Wert pro Aktie ergäbe sich durchgerechnet, wenn die in der Klage veranschlagten 17,35 Milliarden Euro zum bisher angesetzten Unternehmenswert hinzugerechnet würden.