KLASSIKER50 Jahre „Die Blechtrommel“ : Überragender Brocken

Gerrit Bartels
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Als vor fünfzig Jahren Günter Grass’ Debütroman „Die Blechtrommel“ veröffentlicht wurde, waren Kritiker und Kollegen durchweg begeistert. Hans Magnus Enzensberger sah in dem Buch einen Brocken wie Döblins „Alexanderplatz“, Joachim Kaiser bejubelte den „schneidend prägnanten Versuch, die Beziehungen zwischen Kleinbürgerei und den Abenteuern der Diktatur festzuhalten“ und John Irving begriff „Die Blechtrommel“ viele Jahre später noch als den vermutlich besten Roman, der je über den Zweiten Weltkrieg geschrieben wurde. Nur Marcel Reich-Ranicki wollte keine Loblieder singen. Er urteilte, dass die große stilistische Begabung Grass zum Verhängnis geworden sei: „Denn er kann die Worte nicht halten. Sie gehen mit ihm durch. Er wird immer wieder geschwätzig.“

Der Roman hat trotzdem gehalten, auch heute noch ist es ein großes Erlebnis, ihn zu lesen und dem dreijährigen Oskar beim Trommeln zuzuhören. Es gibt keinen besseren Roman von Grass, was diesen nicht angefochten hat: Er sah sein überragendes Debüt nie als Bürde und hat stur weitergeschrieben, schlechte und weniger schlechte Bücher. Der Lohn war 1999 der Literaturnobelpreis, den er für „Die Blechtrommel“ genauso wie für sein trotziges Weiterschreiben und seine trotzigen tagespolitischen Einmischungen erhielt. Auch das kann man zehn weitere Jahre später feiern, und so treffen sich im LCB der englische, der dänische und der finnische „Blechtrommel“-Übersetzer und diskutieren mit Günter Grass und seinem langjährigen Lektor Helmut Freilingshaus über den Roman und seinen fünfzig Jahre dauernden Einfluss und Siegeszug. Gerrit Bartels

LCB, Do 2.7, 20 Uhr,

6 €, erm. 4 €

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