Der Tagesspiegel : Kleines Mädchen lag im Schuhkarton vor dem Supermarkt Anonymer Anrufer verständigte die Polizei. Jetzt versuchen die Ärzte, das nur 1200 Gramm schwere Baby zu retten

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Brandenburg. Kurze Zeit nach seiner Geburt ist ein Säugling am Sonntagmorgen vor einem Einkaufszentrum in Brandenburg (Havel) ausgesetzt worden. Polizeibeamte fanden das Baby in einem Schuhkarton, nachdem sie ein anonymer Anrufer verständigt hatte. Das Mädchen wurde sofort in das Klinikum der Stadt gebracht. Hier stabilisierten Ärzte der Kinderintensivstation den Gesundheitszustand. Das Mädchen wog nur 1200 Gramm, bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe schwebte es noch in Lebensgefahr. Das normale Geburtsgewicht liegt zwischen 2500 bis 3500 Gramm. Ärzte äußerten sich nicht zu den Überlebenschancen des Babys.

Es dämmerte schon, als der Streifenwagen der Polizei auf dem Parkplatz vor dem Möbelmarkt in der Brielower Landstraße eintraf. Über die Notrufnummer waren die Beamten um 4.35 Uhr alarmiert worden. Nach dem von der unbekannten Person beschriebenen Schuhkarton brauchten die Beamten nicht lange zu suchen. Er stand in der Nähe des Eingangs. Bereits am Telefon hatte der Anrufer von einem Baby gesprochen. Tatsächlich lag ein neugeborenes Kind in Handtüchern in der Pappschachtel. Außerdem fanden die Polizisten einen Waschlappen.

In Windeseile erreichte der Streifenwagen das städtische Klinikum, wo schon alles auf die Versorgung des Mädchens vorbereitet war, das sich in einem sehr schwachen Zustand befunden haben soll. Die Polizei setzte auf dem Parkplatz sofort einen Fährtenhund ein, der auch eine Spur fand. Sie endete allerdings rund 40 Meter vom Fundort des Schuhkartons entfernt.

„Die Täterin oder der Täter ist offensichtlich in der Nacht mit einem Auto gekommen und hat das Baby hier abgelegt“, sagte der Sprecher des Potsdamer Polizeipräsidiums, Rudi Sonntag. Deshalb suche die Polizei nach Augenzeugen, die in der Zeit zwischen drei und fünf Uhr auffällige Bewegungen auf dem Parkplatz und dessen Umgebung wahrgenommen haben. Die Beamten nehmen auch Hinweise auf Mädchen oder Frauen entgegen, die schwanger waren und jetzt kein Baby mehr bei sich haben. Zur Aufklärung der Straftat bildeten mehrere Beamte der Brandenburger und Potsdamer Polizei eine Ermittlungsgruppe.

Zuletzt war im November vergangenen Jahres in Jüterbog ein ausgesetztes Baby gefunden worden. Auf dem Bahnhof stießen Reisende damals auf eine Reisetasche, in der sich ein Säugling befunden hatte. Genau wie in diesem Fall sollte auch das Kind in Brandenburg unbedingt gefunden werden. Doch während die Täter in Jüterbog aus dem osteuropäischen Ausland kamen und die deutsche Sprache kaum beherrschten, fällt der Verdacht im jüngsten Fall eher auf Einheimische. Darauf deuten sowohl der Notruf als auch der Fundort des Babys hin. Die Brielower Landstraße in der Nähe des Beetzsees wird vom Fern- oder Durchgangsverkehr kaum genutzt. Claus-Dieter Steyer

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