Klimaschutz : Autoindustrie attackiert Brüsseler Umweltpolitiker

Deutsche und französische Autohersteller wehren sich gegen das von der Europäischen Union ausgegebene CO2-Ziel. Für Porsche-Chef Wiedeking sind die Pläne "völlig weltfremd“.

StuttgartZum Start der Automesse IAA sind die europäischen Autobauer auf einen gemeinsamen Konfrontationskurs zu den Klimaschutzplänen der EU eingeschwenkt. Das Ziel, den CO2-Ausstoß von Neuwagen bis zum Jahr 2012 auf durchschnittlich 120 Gramm pro Kilometer zu begrenzen, sei „völlig weltfremd“, sagte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking dem „Handelsblatt“. Auch Peugeot-Chef Christian Streiff kritisierte die Vorgaben als „total unrealistisch“. Die Konzerne, die aufgrund ihrer unterschiedlichen Modellpalette bisher keine einheitliche Linie in der Klimapolitik verfolgten, haben sich damit offenbar auf eine harte Haltung geeinigt. Der europäische Branchenverband Acea will am Mittwoch auf der IAA in Frankfurt Flagge zeigen: „Wir haben uns im Acea auf die Grundlagen einer Regelung verständigt“, sagte der Präsident des deutschen Automobilverbandes VDA, Matthias Wissmann.

Damit droht ein Schlagabtausch zwischen der Brüsseler EU-Kommission und den Autokonzernen. Die EU will die neuen CO2-Grenzwerte notfalls mit Sanktionen durchsetzen, betonte der zuständige Umweltkommissar Stavros Dimas am Sonntag in einem Zeitungsinterview.

Im Frühjahr hatten sich die EU-Regierungschefs und die Kommission darauf geeinigt, dass jeder Hersteller einen durchschnittlichen CO2-Grenzwert von 120 Gramm je Kilometer einhalten soll. Dieser Wert soll von 2012 an in der ganzen Gemeinschaft für alle Neufahrzeuge gelten. Insbesondere die großen Premiumhersteller wie Mercedes befürchten, angesichts ihres hohen Anteils an großen Luxusautos den von der EU geforderten Flottenwert zu überschreiten. Nach einer aktuellen Studie haben die Hersteller bisher bei der Reduzierung des CO2-Ausstoßes kaum Fortschritte gemacht. Im Durchschnitt lagen die Emissionen 2006 bei 160 Gramm pro Kilometer.

Die Konzerne hatten sich zunächst auf dem Wege der Selbstverpflichtung bereit erklärt, den CO2-Ausstoß im Branchendurchschnitt bis 2008 auf 140 Gramm pro Kilometer zu reduzieren. Die Erreichung dieses Ziels ist wegen des Trends zu immer schwereren und leistungsstärkeren Autos jedoch in weite Ferne gerückt. Obwohl sich die europäischen Hersteller jetzt gemeinsam gegen die EU-Pläne positionieren, streiten sie hinter den Kulissen weiter über Details. Die deutschen Hersteller wollen den CO2- Ausstoß nicht generell auf 120 Gramm begrenzen, sondern die Höchstwerte für Neuwagen nach Fahrzeugsegmenten staffeln. „Auch unter Klimagesichtspunkten spricht alles für den segmentbezogenen Ansatz, den wir verfolgen“, sagte Wissmann. „Nur wenn sich alle Hersteller anstrengen und den Verbrauch ihrer Neufahrzeuge senken, ist der Umwelt geholfen.“ In der Praxis würde eine Regelung nach Gewichtsklassen schweren Limousinen mehr Emissionen gestatten als Kleinwagen. Bei dem geforderten CO2-Durchschnittswert bliebe es aber. Die Folge: Die Hersteller von Kleinwagen müssten noch strengere Werte erreichen.

Peugeot-Citroën, Renault und Fiat liegen mit ihrer Modellpalette schon heute näher am künftigen CO2-Grenzwert als die deutschen Konzerne. Peugeot-Chef Streiff lehnt die deutschen Vorschläge deshalb ab: „Die größeren Verschmutzer müssen größere Anstrengungen als die anderen vornehmen.“ Porsche-Chef Wiedeking sieht dies komplett anders: „Dann könnten sich die Kleinwagenhersteller auf die Schenkel hauen, weil das Premiumsegment verschwinden würde.“ Es seien nicht die Oberklassen-Autos, die für den größten Teil der Emissionen verantwortlich seien, sondern Massenprodukte. (ali/jod/hz/mwb (HB)