Der Tagesspiegel : Klimaschutz vom Amt – mit voller Energie

Die Verwaltungsbauten des Landes sollen effizienter geheizt werden Ziel: Rund 20 Prozent weniger Kohlendioxid-Ausstoß pro Jahr

Ralf Schönball
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Mütze drauf. Der Senat will den Ausstoß von Kohlendioxid senken – auch den für Strom und Heizung landeseigener Gebäude. Für die...

Berlin - Es ist zugig im Foyer des Roten Rathauses. Das liegt aber nicht etwa an schlecht gedämmten Fassaden oder alten Fenstern, sondern an den Fotografen, die sich um Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke), die Chefin der Senatskanzlei Barbara Kissler und den Chef der Managementgesellschaft für die landeseigenen Immobilien scharen. Sie stehen an der offenen Eingangstür und die beiden Damen ziehen ein rotes Tuch von einem bunten Plakat: Es ist der Energieausweis, der dem Rathaus geringe Verbrauchswerte bescheinigt. Zur Freude von Hausherrin Kissler, die befindet: „Das Klima im Rathaus ist immer eine wichtige Sache – nicht nur, aber auch energetisch.“

Auf die Überreichung des Energieausweises folgt das eigentliche Ereignis: Der Senat unterzeichnet mit der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) eine Klimaschutzvereinbarung. Demnach soll die Versorgung der städtischen Verwaltungsbauten mit Wärme und Strom bis zum Jahr 2015 rund 20 Prozent weniger Kohlendioxid pro Jahr erzeugen als derzeit. Um dies zu erreichen, könnten zum Beispiel Heizungsanlagen optimiert oder die Wärmedämmung verbessert werden.

Vor gerade erst zwei Wochen hatte Umweltsenatorin Lompscher mit den Chefs der sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften eine ähnlich lautende Vereinbarung getroffen. Zuvor hatten sich außerdem die Berliner Stadtreinigung, die Wasserbetriebe und der Energieversorger Gasag zu bestimmten Reduktionen des CO2-Ausstoßes verpflichtet. So will etwa die Gasag bis 2015 eine Million Tonnen CO2 weniger erzeugen. In zwei Wochen sollen die Bäderbetriebe folgen. Der Senat macht ernst mit dem Klimaschutz.

Dabei profitiert auch Berlin von der Finanzkrise und der Reaktion der Bundesregierung darauf: „Das Konjunkturprogramm der Bundesregierung kommt gerade recht“, sagt Umweltsenatorin Lompscher. Und die BIM sei „auf den Geldsegen vorbereitet“. Das sieht deren Geschäftsführer genauso: Sven Lemiss hat in den vergangenen Jahren akribisch den Zustand von Schulen, Verwaltungsgebäuden, Polizei- und Feuerwehrwachen in der Stadt untersucht und einen genauen Plan für deren schrittweise Sanierung aufgestellt. „Wir können nun Baumaßnahmen vorziehen, die sonst erst in zwei bis fünf Jahren finanzierbar gewesen wären“, sagt Lemiss. Und er verspricht: Wenn die Arbeit getan sein wird, können 11 000 Tonnen CO2-Emissionen jährlich eingespart werden. Auch der „Einsatz regenerativer Energien wird geprüft“, sagt er.

Dabei verböte sich dies für „ordentliche Kaufleute“ (Lemiss) eigentlich. Denn sie müssen auf die Wirtschaftlichkeit einer energetischen Sanierung achten, und bei den derzeit wieder gesunkenen Rohstoffpreisen rechnen sich regenerative Energien kaum. Dennoch möchte Umweltsenatorin Lompscher den verpflichtenden Einsatz zum Beispiel von Solarkollektoren bei der Sanierung landeseigener Immobilien sogar in die Neufassung des Berliner Klimaschutzgesetzes aufnehmen, an der gerade gearbeitet wird.

Erklärte Gegner dieses Vorhabens sind aber die Chefs der landeseigenen Wohnungsbauunternehmen. Bei der Unterzeichnung der Klimaschutzvereinbarung vor zwei Wochen drohte der Geschäftsführer der Firma Stadt und Land sogar: Das „Ziel, 40 Prozent CO2 bis 2020 einzusparen, ist gefährdet, wenn der Einsatz erneuerbarer Energien verpflichtend wird“, sagte Michael Niestroj. Dann müsste das verfügbare Geld nämlich dafür ausgegeben werden.

„Grundsätzliche Kritik“ an dem Klimaschutzkurs des Senats übte der energiepolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Michael Schäfer, „weil der Senat nur eine Handvoll landeseigener Gebäude umfassend energetisch saniert“. Darunter versteht er: Fenster austauschen, und das Haus vom Dach bis zum Keller dämmen. „Dadurch wären Einsparungen bis 75 Prozent des CO2-Ausstoßes möglich“, sagt er. Und rechnen würde sich das auch – durch die gesparten Energiekosten.

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