Klimawandel : Aufgeheizte Atmosphäre

Frostbeulen oder Tropenkrankheiten – nicht alle Behauptungen in der Klimadiskussion treffen zu.

K. Kupferschmidt,R. Nestler
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In der Diskussion um die Folgen der Erderwärmung werden beängstigende Szenarien entwickelt. -Foto: Deutscher Fernsehdienst

Die Diskussion über die Erderwärmung wird immer mehr zur Glaubensfrage: Klimahysteriker oder Klimaleugner? Dazwischen scheint es kaum noch etwas zu geben. Jede Seite trägt ihre populären Thesen überzeugend vor. Aber manch „unbequeme Wahrheit“ entpuppt sich als unzutreffende Behauptung.

Der Golfstrom kommt zum Erliegen und in Europa bricht eine Eiszeit an

Diese Horrorvision hält sich hartnäckig, auch wenn sie von Fachleuten immer wieder dementiert wird. Die Argumentation der Kältetheoretiker geht etwa so: Der Golfstrom ist die Warmwasserheizung Europas. Deren Kreislauf wird angetrieben von sehr salzigem Wasser, das im Nordatlantik in die Tiefe sinkt. Schmelzen im Norden große Mengen Eis, etwa in Grönland, wird das Wasser „süßer“ und hat eine geringere Dichte – es kann nicht mehr absinken. „Inzwischen wissen wir, dass über die Atmosphäre wesentlich mehr Wärme in den Norden gebracht wird als mit der Meeresströmung“, sagt Peter Lemke vom Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven. Andererseits würden Computersimulationen zeigen, dass die Leistung der nordatlantischen „Umwälzpumpe“ zwar zurückgehen, aber sie nicht ausfallen wird. „Eine Eiszeit wird es hier definitiv nicht geben, es wird wärmer.“

Die Zahl starker Stürme wird steigen

Als der Hurrikan „Katrina“ vor fünf Jahren den Südosten der USA verwüstete hieß es schnell: „Daran ist der Klimawandel schuld, das kommt künftig häufiger vor“. Tatsächlich zeigen mehrere Studien, dass die Zahl der atlantischen Wirbelstürme in Zukunft abnehmen wird. Die Stärke der Hurrikane wird den Berechnungen zufolge aber zunehmen, wie erst kürzlich wieder Morris Bender von der US-Wetterbehörde NOAA und sein Team im Fachblatt „Science“ schrieben (Band 327, Seite 454). Der Grund dafür ist die steigende Temperatur des Oberflächenwassers im Atlantik, die über mehrere Zwischenschritte letztlich dazu führt, dass die Zyklone mehr Energie aufnehmen und später freisetzen können.

Auch was unsere Breiten betrifft, gibt es keinen Grund zur Panik. Bisher gibt es keine Zunahme heftiger Stürme.

Infektionskrankheiten werden sich weltweit ausbreiten

Mit der Wärme kommen die Mücken und mit den Mücken kommt die Malaria. So sieht die größte Sorge der Mediziner im Zusammenhang mit dem Klimawandel aus. Und es geht ihnen nicht nur um die Malaria. Schlafkrankheit, Flussblindheit, Gelbfieber, all diese Krankheiten könnten sich mit den Tieren, die sie übertragen, weltweit ausbreiten.

Bei diesem Horrorszenario wird häufig vergessen, dass es Tieren nicht nur zu kalt, sondern auch zu warm sein kann. Darauf weist der Ökologe Kevin Lafferty in einem Beitrag im Fachmagazin „Ecology“ hin (Band 90, Seite 888). In dem Maße, in dem etwa Mücken in einer wärmeren Welt nach Norden vordringen, könnten sie also im Süden verschwinden. Gerade in den entwickelten Ländern des Nordens dürfte es für viele Infektionskrankheiten aber besonders schwer sein, sich zu etablieren. Insgesamt könnte die Verbreitung dieser Krankheiten daher sogar abnehmen.


Das Kohlendioxid ist an allem schuld

Klimakonferenzen, Werbespots oder Diskussionen um die Energieversorgung der Zukunft erwecken den Eindruck: Kohlendioxid (CO2) allein macht das Klima. Stimmt aber nicht. Methan zum Beispiel befeuert den Treibhauseffekt mindestens 20-mal stärker. Aber der Gehalt dieses Gases in der Atmosphäre und die jährlichen Emissionen sind deutlich geringer. Die Datenlage ist allerdings ebenfalls schlechter. So wurde erst kürzlich bekannt, dass aus dem Meeresgrund der Ostsibirischen See jährlich so viel Methan austritt, wie man es zuvor aus allen Ozeanen zusammen vermutete („Science“, Band 372, Seite 1246). Das müsse unbedingt in den Klimamodellen berücksichtigt werden, schreibt das Team um Natalia Shakhova von der Universität Alaska.

In Sachen Kohlendioxid sind zudem aus der Erdgeschichte Zahlen bekannt, die das Bild noch komplizierter machen. So gab es schon einmal im frühen Pliozän vor drei bis fünf Millionen Jahren eine ähnlich hohe CO2-Konzentration wie heute. Die Durchschnittstemperaturen lagen aber um vier Grad höher. Mit den heute verwendeten Klimamodellen lässt sich das damalige Treibhaus jedenfalls nicht nachbilden.

Die kürzlich von Alexey Fedorov in „Nature“ (Band 463, Seite 1066) beschriebene Erklärung, wonach eine Art Dauer-El-Nino zu der deutlich anderen Wärmebilanz führte, ist bislang kaum mehr als eine These. Stimmte sie, müssten auch die gegenwärtigen Annahmen zur Wasserzirkulation in den Tropen revidiert werden.

Aufgrund solcher Befunde streiten die Experten, wie groß der Anteil des steigenden CO2-Gehalts in der Atmosphäre an der Erderwärmung ist. Drei Viertel, Zwei Drittel, oder nur die Hälfte?

Es gibt keinen menschgemachten Klimawandel, das liegt vor allem an der Sonne

Dass die globale Durchschnittstemperatur in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen ist, wurde mehrfach belegt. Von Satellitendaten, Thermometermessungen, anhand des Meeresspiegelanstiegs und so weiter. Könnte die Hauptursache dafür nicht auch in der wechselnden Aktivität der Sonne liegen? Das würde in etwa so funktionieren: Eine aktive Sonne hält mit ihren starken Magnetfeldern mehr kosmische Strahlung von der Erde fern. Fehlt ein Teil der Strahlung, werden in der Atmosphäre weniger Atome und Moleküle getroffen, die zu Kondensationskeimen für Wasserdampf werden. Darum gibt es weniger Wolken, es gelangt mehr Sonnenstrahlung auf die Erde, es wird wärmer. So weit die Theorie.

Der Praxistest wird derzeit unter anderem im „Cloud“-Experiment am Europäischen Kernforschungszentrum Cern in Genf gemacht. Noch gibt es kein Ergebnis. Aber zum Beispiel eine aktuelle Untersuchung des Kroaten Jasa Calogovic und seiner Kollegen. Sie haben Satellitenaufnahmen ausgewertet, die kurz nach sogenannten Forbush-Ereignissen – wenige Tage dauernden Sonneneruptionen – aufgenommen wurden. Einen Hinweis auf veränderte Wolkenbedeckung fanden sie aber nicht („Geophysical Research Letters“, L03802).

Ausgeschlossen sind kosmische Einflüsse auf das Klima freilich nicht. Wie groß sie aber tatsächlich sind, darüber wird auch in Zukunft heftig gestritten werden.

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