Koalition : Schröders Merkel-Attacke empört die Union

Altkanzler Schröder hat Angela Merkel harte Vorwürfe gemacht: Ihre Außenpolitik sei von "größter Emotionalität" geleitet, die auf Merkels kommunistischen Erfahrungen beruhe. Jetzt holen Unions-Abgeordnete zur großen Gegenwatsche aus.

Gerhard Schröder
Eine neue Episode der Gerd-Show? Schröders Angriffe auf die Bundeskanzlerin kommen nicht gut an. -Foto: ddp

BerlinIn der Union haben Äußerungen von Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) über die Russland-Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für Empörung gesorgt. CSU-Außenpolitiker Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg nannte Schröders Kritik "stillos und peinlich", berichtete die "Passauer Neue Presse". "Das ist ein ungeheuerlicher Vorgang. Schröder sollte sich besser daran erinnern, dass er sich als Altbundeskanzler nicht alles erlauben kann."

Auf das Engagement Schröders für den russischen Energiekonzern Gasprom verwies der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Eckart von Klaeden (CDU): "Jeder weiß, von wem Herr Schröder bezahlt wird." Die Äußerungen des Altkanzlers sollten nicht mehr ernst genommen werden. Auch Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) verteidigte die Kanzlerin: "Angela Merkels pragmatischer Kurs gegenüber Russland unterscheidet sich wohltuend von dem ihres Vorgängers. Die Kumpelei und Kumpanei hat endlich ein Ende."

Auch Kritik an Steinmeier

In der CDU-Spitze herrscht zudem deutlicher Unmut über den designierten Vizekanzler und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Dessen offene Kritik an Merkel wegen ihres Empfangs des Dalai Lama im Bundeskanzleramt müsse von der Regierung in Peking geradezu als Bestätigung ihrer Proteste gesehen werden, rügte CDU-Schatzmeister Eckart von Klaeden am Montag in der Sitzung des CDU-Präsidiums. Dafür habe Klaeden breite Unterstützung erhalten, hieß es der "Passauer Neuen Presse" zufolge aus Teilnehmerkreisen. Auch Schröder hatte den Empfang des Dalai Lama im Kanzleramt als Fehler bezeichnet.

Guttenberg hatte Steinmeier am Montag angesichts der wiederholten Kritik an der Russland- und China-Politik der Kanzlerin "ein Absetzen von einer vernünftigen Regierungspolitik" vorgeworfen. (mit AFP)