Königliche Segelyacht : Auf Heimatkurs

Die „Royal Louise“, ein Nachbau der Lustyacht Wilhelms II., soll zurück auf den Jungfernsee.

Matthias Matern
Segelschiff "Royal Luise"
Königliches Vergnügen: Claus Reichardt, Vorsitzender des Royal-Luise-Vereins, vor dem Nachbau der einstigen Hohenzollernyacht. -Foto: Matthias Matern

Berlin/PotsdamEtwas unscheinbar dümpelt der Dreimaster in seinem Exil. Vom Ufer aus ist die „Royal Louise“ kaum von den anderen Segelschiffen im Hafen des mondänen Vereins „Seglerhaus am Wannsee“ zu unterscheiden. Dabei gebührt dem originalgetreuen Nachbau der einstigen königlichen Lustyacht der Hohenzollern eigentlich ein weitaus exponierterer Standort, findet Claus Reichardt. „Die Yacht muss wieder in ihren alten Heimathafen zurück“, erklärt der Vorsitzende des Royal Louise – Yacht- und Schifffahrtsvereins zu Potsdam. Immerhin knapp 100 Jahre lang habe das Original am Ufer des Jungfernsees bei Potsdam gelegen, an der ehemaligen kaiserlichen Matrosenstation „Kongsnæs“.

Für Reichardt sind Fregatte und Matrosenstation ein historisches Ensemble, das ebenso zum kulturellen Erbe Preußens gehört wie die Schlösser und Gärten in und um Potsdam. Während aber Sanssouci & Co. die Wirren der Jahrhunderte überstanden, wurden „Kongsnæs“ 1945 durch Beschuss teilweise zerstört und die originale „Royal Louise“ im strengen Winter 1947 zu Brennholz verarbeitet. Ein unwürdiges Ende für ein Schiff, dessen Geschichte 1832 im britischen Whoolwich begann.

„Der Dreimaster war ein Geschenk des englischen Königs William IV. für Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. als Dank für das Waffenbündnis gegen Napoleon“, erzählt Reichardt. Fünf Generationen der Hohenzollern hätten die „Royal Louise“, gebaut nach einer Fregatte der Royal Navy im Maßstab von 1:3, als Segelyacht genutzt, zuletzt Kaiser Wilhelm II. Nach der Abdankung verschenkte der geschasste Monarch 1921 den Segler. Später übernahm die Reichsmarine das Schiff, die Reise ging nach Kiel. „Die mittlerweile marode ,Royal Louise‘ sollte nach dem Krieg restauriert werden“, erzählt der Vereinsvorsitzende.

Der Nachbau entstand Mitte der 90er Jahre als Arbeitsförderprojekt in einer abgewickelten Werft in Berlin-Köpenick. 2001 jedoch ging der Betreiber pleite, und Claus Reichardt und sechs Mitstreiter retteten die Kopie für rund 126 000 Euro aus der Insolvenzmasse. Seitdem bemüht sich der Verein um die Erhaltung des Schiffes, vermietet den Segler für Feiern, um die Kosten zu decken. Zum Besuch der Queen 2004 durfte Reichardt sogar Prinz Philip auf der „Royal Louise“ begrüßen. „Von Anfang an stand für uns fest, das Schiff muss wieder nach ,Kongsnæs‘“, versichert der Hobbysegler.

Um den Wiederaufbau der Matrosenstation im norwegischen Stil bemüht sich seit 1999 der Verein „Kongsnæs“. Inspiriert durch seine Nordlandfahrten ließ Wilhelm II. sie 1892 vom norwegischen Architekten Holm Hansen Munthe errichten. Die geschätzten Kosten für die Rekonstruktion liegen bei 4,5 Millionen Euro. Weder Verein noch Stadt können das allein stemmen. Gesucht wird deshalb ein Investor, der die Interessen beider Vereine berücksichtigt.

Drei Nebengebäude immerhin haben den Krieg überdauert. Im ehemaligen Bootshaus hat der Royal-Louise-Verein sein kleines Büro. Ist das Ensemble wieder rekonstruiert, soll eine Ausstellung die Geschichte des Schiffes dokumentieren. So lange möchte Claus Reichardt nicht warten. Schon 2008 soll die sieben Meter lange Minifregatte den Sommer über wieder am historischen Ort liegen. Einen Haken hat die Sache. Der Vereinsvorsitzende befürchtet nächtlichen ungebetenen Besuch und Vandalismus: „Es muss gewährleistet sein, dass das Schiff rund um die Uhr in guter Obhut ist.“

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