Der Tagesspiegel : Königliche Tropfen

Nach 140 Jahre ist Sanssoucis Weinkeller restauriert

Claus-Dieter Steyer

Potsdam - Erstmals können Besucher von Schloss Sanssouci jetzt auch im Untergeschoss auf Entdeckungstour gehen. Der historische Weinkeller, in dem die Könige bis 1840 ihre edlen Tropfen lagerten, ist seit heute der Öffentlichkeit zugänglich. Kleine Besuchergruppen können die drei Räume nach telefonischer Anmeldung besichtigen. Bei besonderen Anlässen ist ein Ausschank möglich.

Die Kosten für die Restaurierung des 140 Jahre lang brachliegenden und lange Zeit als Kohlelagerplatz genutzten Weinkellers teilten sich die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und das aus Potsdam stammende Ehepaar Christine und Lutz Prüfer. Über die Höhe der Summe schweigen beide Seiten.

Eine Wendeltreppe führt von der früheren Schlossküche in einen Vorraum, in dem Informationen über die Tafelfreuden am Hofe in deutscher und englischer Sprache zu finden sind. Der servierte Wein beispielsweise stammte keineswegs von den Trauben der unterhalb des Schlosses auf den Terrassen wachsenden Reben. Friedrich der Große, seit 1740 preußischer König, genoss vor allem edle Mosel- und Burgunderweine, ungarischen Tokajer und Champagner. Beim Essen bevorzugte er einen sehr süßen weißen Monbazillac aus dem Anbaugebiet des Bergerac zwischen Toulouse und Bordeaux, den er mit Wasser verdünnte. Weine vom Rhein verschmähte der König. Er nahm an, dass dieser Rheumabeschwerden verursache.

Die Weinfässer lagerten schon damals im Keller unter dem Ostflügel des Schlosses. Friedrichs Urgroßneffe Friedrich Wilhelm IV. (1795 - 1861), preußischer König seit 1840, ließ die Küche vom West- in den Ostflügel verlagern. Doch der Weinkeller überstand alle Veränderungen. So ist auch die Stube des Kellermeisters mit einem über 160 Jahre alten Holzschrank original erhalten geblieben. Seine Türen waren wegen der kostbaren Flaschen – Friedrich Wilhelm IV. bevorzugte Champagner - stets fest verschlossen.

Bestellungen nahm der Kellermeister durch ein noch vorhandenes Schiebefenster entgegen. Restauriert wurden zwei Weinregale aus Holz und Eisen, die rund 360 Flaschen beherbergen. „Das sind Kostproben von den Gütern, die zu den königlichen Hoflieferanten gehörten“, sagt Denkmalpfleger Klaus Dorst. „Auf ihre Spuren kamen wir durch die Abrechnungen, die heute im Geheimen Staatsarchiv in Berlin-Dahlem liegen.“ Eine Sonderführung im Weinkeller kostet fünf Euro, ermäßigt vier Euro.

Anmeldung unter (0331) 96 94 315

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