Kolumne : AhA: Warum leben Eintagsfliegen nur wenige Stunden?

Es ist ein kurzes Dasein: Erwachsene Eintagsfliegen leben nur für die Fortpflanzung.

Thomas de Padova

„Aristoteles sagt, es befinden sich am Flusse Hispanis kleine Insekten, die nur einen Tag leben. Dasjenige, welches um acht Uhr morgens stirbt, stirbt in seiner Jugend; welches abends um fünf Uhr stirbt, stirbt vor Altersschwachheit.“ Man muss dem französischen Essayisten Michel de Montaigne an dieser Stelle widersprechen. Aus biologischer Sicht charakterisieren weder Jugend noch Alter den geflügelten Lebensabschnitt der Eintagsfliege. Ihre Jugend verbringt die Eintagsfliege nämlich als Larve. Erst wenn sie Flügel trägt, wird sie geschlechtsreif, paart sich und stirbt bald darauf. Ein Eltern- oder Großelternstadium erlebt sie nicht. Sie altert nicht, sie verhungert.

Erwachsene Eintagsfliegen leben nur für die Fortpflanzung. Und daher kurz. „Sie haben keine Mundwerkzeuge und nehmen keine Nahrung mehr auf“, sagt Arne Haybach vom Büro für Hydrobiologie in Mainz. Die Männchen suchen so lange ihr Glück, bis ihre Kräfte schwinden. „Wenn sie schwärmen, verbrauchen sie all ihre Energie.“ Die Weibchen legen nach der Kopulation hunderte befruchtete Eier ab – dann sterben auch sie.

Aus den Eiern schlüpfen Larven, die im Wasser bleiben, Monate lang, manche bis zu drei Jahre. Die Larven fressen Algen und totes organisches Material. Während sie wachsen, häuten sie sich immer wieder, bis sie schließlich an die Wasseroberfläche kommen, Flügel anlegen und ein letztes Mal aus der Haut fahren.

Danach geht alles rasch. Im flugfähigen Stadium lebt die Rheinmücke, Oligoneuriella rhenana, nur etwa 40 Minuten. Dem Mückenweibchen bleibt, nachdem es geschlüpft ist, nicht einmal die Zeit, die letzte Haut von den Flügeln abzustreifen. Sofort stürzt sich ein Männchen auf die Fliegenfrau. Die neue Umgebung ist voller Gefahren. Schwalben, Möwen und andere Räuber jagen nach kleinen Insektenhappen. „Das kostbare Erwachsenenstadium wird gekürzt und geschützt“, sagt Haybach.

Nur Cloeon dipterum, auch Fliegenhaft genannt, hat einen längeren Atem. Die Weibchen suchen einen sicheren Ort auf und harren dort bis zu 14 Tage aus, bis die Larven schlupffertig sind. Erst dann setzen sie den Nachwuchs im Wasser aus.

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