Kolumne: Meine Frau, ihr GARTEN… und ich : Der Kampf um die Hanfpalme

Wir haben eine Palme im Garten. Trachycarpus fortunei, zu Deutsch Hanfpalme.

Andreas Austilat

Wir haben eine Palme im Garten. Trachycarpus fortunei, zu Deutsch Hanfpalme. Sie gibt dem Ganzen so etwas Mediterranes. Aber ich fürchte, sie wird Ärger machen.

Ich kenne nämlich die Vorgeschichte von Trachycarpus fortunei: Vor rund acht Wochen sah ich eines Abends ihre Vorgängerin reglos vor dem Schuppen liegen, nackt und kahl. Meine Frau hatte sie ausgegraben, nachdem sie monatelang um diese Palme gekämpft hatte.

Ich will jetzt nicht wieder darauf rumreiten, aber ich habe es kommen sehen. Eine Birke – bin ich ein großer Freund von, eine Kiefer – wenn es sein muss. Nachbars Erle ist auch okay, selbst wenn sie manchmal ein wenig nervt. Nachbars Erle ist nämlich die Erste, die im Herbst ihre Blätter abwirft, und die Letzte, die damit fertig ist. Dafür sitzt man unter ihr immer kühl, wir haben sogar eine Bank in ihren Schatten gerückt.

Aber eine Palme? Die gehört hier nun mal nicht hin. Und das habe ich damals auch deutlich gesagt.

„Rassist“, hat meine Frau darauf geantwortet und mir von den Vorzügen von Trachycarpus erzählt. „Sehr rustikale Palme“, stand auf dem Beipackzettel, „passt sich leicht an alle Umweltbedingungen an, ist aber nicht für Innenräume geeignet.“ Sie schwärmte mir vor, wie sie später ihre Hängematte zwischen zwei Palmen aufspannen wird. So, so, zwei Palmen!

Den ersten Winter ging alles erstaunlich gut. Trachycarpus fortunei ist wirklich robust. Sie stammt ursprünglich aus Südostasien, wächst dort sogar auf 2500 Meter Höhe und kann bis zu 17 Grad minus aushalten, theoretisch wenigstens.

Dann kam der nächste Winter. Im Dezember war meine Frau noch guter Dinge. Vor allem, weil sich der Botanische Garten zwei Hanfpalmen vor seinem Dahlemer Tor mitten ins Beet gepflanzt hatte, beide an die fünf Meter hoch. Im Januar setzte der Frost ein. Meine Frau hat ihre Palme mit Kokosmatten bekleidet und ihr sogar einen Schirm aufgespannt, damit nicht so viel Schnee oben reinfällt.

Ich weiß nicht, ob Trachycarpus fortunei am Ende erfroren oder im steinharten Boden verdurstet ist, aber sie hat es nicht geschafft. Im April dachte meine Frau, da kommt noch was, im Mai, als alles schon grün war, hat sie gesagt, der Botanische Garten hat seine Palmen auch noch nicht aufgegeben. Im Juni war sie sehr traurig.

Was soll nun mit der neuen Palme werden? Mehr Kokosmatten? Einen Heizstab für den Boden?

Gestern bin ich wieder am Botanischen Garten vorbeigefahren. Oben guckt ein kleiner, dürrer Wedel raus. Ansonsten sehen die beiden Dinger immer noch aus wie zwei Laternenpfähle. Manchmal glaube ich, der Klimawandel wird überschätzt.

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