Kolumne : Unterm Adler

Thorsten Metzner über Sozis frei Haus und das große Krabbeln im Büro.

Brandenburgs Sozialdemokraten haben jetzt, es ist ja Wahljahr, einen roten Partyservice der besonderen Art eingeführt. Näher bei den Menschen geht wirklich nicht: Sie versprechen nämlich einen Landtagsabgeordneten als „Sozi frei Haus“. So steht es auf einer brandneuen Werbe-Postkarte der Genossen: „Egal, was Sie bewegt: Wir kommen mit einer/m Landtagsabgeordneten zu Ihnen. Einzige Voraussetzung: Sie laden (mindestens) fünf Freunde, Bekannte oder Kollegen ein und schicken diese Postkarte zu uns“, heißt es darauf. „Wir melden uns schnell bei Ihnen und vereinbaren einen Termin“. Die Idee hatte Fraktionschef Günter Baaske aus Bremen mitgebracht, wo Parteifreunde dies mit guter Resonanz vor der Bürgerschaftswahl erprobt hatten. „Mal sehen, wie es bei uns ankommt“, sagt Baaske. Es wäre jedenfalls mal eine echte Abwechslung, ja ein Knaller für märkische Kleingarten-Grillfeste, Rassekaninchen-Züchter-Treffen, Kegelabende, ja selbst für Ortsvereinssitzungen von Linken, Liberalen oder Christdemokraten. Freilich könnte es durchaus sein, dass die 13 von 33 Abgeordneten, die bei der Aktion (Mail: sozifreihaus@spd-fraktion.brandenburg.de) bisher lediglich mitmachen wollen, ihren Sommerurlaub streichen müssen

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Im von Jörg Schönbohm geführten Innenministerium in Potsdam herrschte in den letzten Wochen auf einigen Fluren Ausnahmezustand. Mitarbeiter, die sonst Kriminalität bekämpfen, hatten hautnah mit einer anderen Plage zu tun: In den Büros kribbelte und krabbelte allerlei Ungeziefer herum, so dass man sich regelmäßig über Gegenstrategien und über Jagdbeuten an Kakerlaken austauschte. Eine Führungskraft schickte sogar eine SOS-Mail an die Verantwortlichen für das Gebäude: Man hoffe dringend auf die angekündigten Bau- und Instandsetzungsarbeiten, stand darin. „Mit besonderer Aufmerksamkeit“ würden dann die „Arbeiten an den Zwischendecken der sechsten Etage“ verfolgt, da dort Überraschungen zu erwarten seien: „Meine Mitarbeiter konnten in den letzten Jahren ja bereits mit einigen ,Haustieren’, wie Wanzen und Ameisen persönliche Erfahrungen im täglichen Miteinander sammeln“. Zuvor hatte eine Mitarbeiterin ihren Dienst nicht antreten können, weil der Büro-Boden voller Ameisen war. Alles wurde natürlich, man ist ja vom Fach, beweiskräftig auf Fotos dokumentiert. Die Führungskraft bat um „unmittelbare Unterstützung", „bevor die Ameisen weitere Räume erobern.“ Tatsächlich kam inzwischen der Kammerjäger, nach dem chemischen Großbombardement soll die Plage beseitigt sein. Aber so richtig traut man im Polizei-Ministerium, das die Kriminalität zwar bekämpft, aber auch nicht ausrotten kann, dem Frieden noch nicht.

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