Kolumne : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner beobachtet die Tücken des Internet-Wahlkampfs

Brandenburgs Christdemokraten sind unter ihrer neuen Chefin Johanna Wanka eine echt gläserne, bürgernahe Partei. Lang ist sie her, die böse E-Mail-Affäre, an die niemand mehr erinnert werden will. Das neue Zauberwort heißt Transparenz – und zwar total. So hat die CDU auf ihrer Internet-Homepage jetzt die Kontaktdaten der Listen-Kandidaten für die Landtagswahl veröffentlicht, was an sich ja noch nicht ungewöhnlich ist. Schaut man dort aber bei Beate Blechinger nach, der Justizministerin – dann erlebt man eine echte Überraschung: Tatsächlich, da steht wirklich Blechingers persönliche Handy-Nummer. Sie dürfte damit die einzige Justizministerin Deutschlands sein, die von Häftlingen und Angehörigen mit Gnadengesuchen, von Bürgern, die mit Urteilen von Gerichten unzufrieden sind, direkt angeklingelt werden kann.

Das Internet wird für Parteien im Wahlkampf immer wichtiger – und hat doch so seine Tücken. Das gilt besonders für die Linkspartei in Brandenburg. So veröffentlicht der Linke-Stadtverband Potsdam seit Monaten, und das konsequent, ein falsches Datum für die Europawahl – hoffentlich suchen die Genossen nicht am 7.Mai die Wahllokale. Noch origineller ist der Potsdamer Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Scharfenberg, der auf seiner Homepage als „Hans Mustermann“ firmiert in Entenhausen, Pardon, im linken „Verband Musterhausen“, mit der Adresse „Musterstraße 1 in 12345 Musterstadt“. Bei den „überregionalen Terminen“ finden sich Hinweise auf einen Parteitag am 15.September – also 12 Tage vor der Landtagswahl – in Musterhausen. Beginn: „12 Uhr im Hotel Maritim proArte“, was sich nobel anhört. Der zweite Parteitag soll laut Scharfenberg-Homepage am 1.Dezember, „im Hotel Mustermann im großen Saal“ stattfinden. Nanu? Beginn: „23 Uhr“. Nachtaktive Links-Aktivisten, das wäre mal was Neues.

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