Der Tagesspiegel : Kommandozentrale fürs Ausland

Jörn Hasselmann

Eine Afghanistan-Karte hängt noch nicht in der Potsdamer Henning-von-Tresckow-Kaserne. Noch nicht. Denn aus Potsdam werden künftig alle Einsätze der Bundeswehr geplant und organisiert, das "Einsatzführungskommando" ist ein Kernelement der Streitkräftereform. Es ist die nationale Führungsebene im Verteidigungsfall und bei allen Einsätzen, also Bosnien, Kosovo, Mazedonien und künftig auch für die Unterstützung der Amerikaner bei der Terrorbekämpfung. Es untersteht direkt dem Verteidigungsminister, strafft also die Befehlskette deutlich. Erstmals hat das Militär jetzt einen Stab, der gleichzeitig Heer, Luftwaffe und Marine kommandiert. Militärgegner kritisieren das Einsatzführungskommando deshalb als "neuen Generalstab".

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Doch Afghanistan kommt zu schnell für die am 9. Juli in Dienst gestellte Behörde. Nach Informationen des Tagesspiegels wird das "EinsFüKdo" am 28. Dezember um 12 Uhr Mittag "eingeschaltet". "Den Termin können wir nicht mit einem Fingerschnipp vorziehen", sagte ein Offizier des Kommandos. Im Dezember beginne die Warmlaufphase. Eine Weisung des Verteidigungsministeriums, das Tempo zu beschleunigen, gebe es derzeit nicht.

Bislang war in der in Geltow, östlich von Potsdam gelegenen Kaserne das IV.Korps stationiert. 600 Leute hat das neue Kommando mit dem unterstellten "Fernmelde"-Bataillon. Trotz des antiquierten Namens wird derzeit modernste Kommunikationstechnik installiert; wichtigste Voraussetzung um künftige weltweite Einsätze auch in abgelegenen Gebieten zu steuern. "Uns ist egal, ob wir einen Hochwassereinsatz an der Oder oder in Mosambik führen", berichtete ein Offizier.

Kommandeur der Einheit ist General Friedrich Riechmann, sein Stellvertreter ist Hans Jürgen Merkle, der vielen Berlinern gut bekannt ist aus seiner Zeit von 1995 bis 1999 als Kommandeur der 3. Luftwaffendivision in Gatow. Ungewiss ist noch, ob Potsdam-Geltow bei Militäroperationen der Europäischen Union auch als "Operation Headquarter EU" dienen wird.

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