Kommentar : Geachtet und gefürchtet

Deutschland führt seine EM-Qualifikationsgruppe souverän an. Stefan Hermanns über die neue Klasse der Nationalmannschaft.

Stefan Hermanns
Nationalmannschaft
Die Nationalelf vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen die Slowakei.Foto: dpa

Wenn man die Entwicklung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im vergangenen Jahr anschaulich illustrieren will, sollte man die beiden Qualifikationsspiele gegen die Slowakei zu Hilfe ziehen: das 4:1 im Herbst in Bratislava und das 2:1 zum Abschluss der Nach-WM-Saison in Hamburg. Im direkten Vergleich ist die Veränderung deutlich zu erkennen – an den Slowaken. Jetzt, da die deutsche Mannschaft ein stabil hohes Niveau erlangt hat und nur noch Entwicklungssprüngchen möglich sind, manifestiert sich die neue Qualität vor allem in der Außenwahrnehmung.

Vor acht Monaten noch haben die Slowaken geglaubt, sie könnten sich auf ein offenes Spiel mit den Deutschen einlassen; sie hatten keine Chance. In Hamburg zogen sie die einzig mögliche Konsequenz. Mit sämtlichen verfügbaren Kräften verriegelten sie den eigenen Strafraum. Die Slowaken hatten – Angst.

„Wir haben uns das erarbeitet“, sagt Kapitän Michael Ballack. Dass das schöne Spiel dabei bisweilen auf der Strecke bleibt, ist ärgerlich für das Publikum, lässt sich jedoch nur schwer vermeiden. Sehr viel relevanter ist die Frage, wie die Deutschen mit der neuen Geschäftsgrundlage fertig werden. Bei der Weltmeisterschaft waren sie noch Außenseiter, belächelt für das Ziel, den Titel zu holen; wenn die Deutschen so weitermachen wie zuletzt, werden sie im nächsten Sommer bei der EM der große Favorit sein, geachtet und gefürchtet von der gesamten Konkurrenz. Aber war das eigentlich jemals anders?