Kommunalwahlen : Wollen die Franzosen Sarkozy?

Entscheidende Runde der Kommunal- und Bezirkswahl in Frankreich: Rund 44 Millionen Franzosen sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die Wahl gilt als Stimmungstest für Präsident Nicolas Sarkozy.

ParisIn der ersten Runde der Wahl vor einer Woche hatte die linke Opposition deutliche Gewinne bei der Abstimmung über 36.700 Bürgermeisterposten und 2000 Bezirksverordnete erzielt; Sarkozys Regierungspartei UMP schlug sich aber besser als in den Umfragen vorhergesagt. In den meisten Städten und Gemeinden fällt die endgültige Entscheidung erst im zweiten Wahldurchgang.

Besonderen Symbolwert haben die Großstädte Marseille, Toulouse und Straßburg. Dort könnten die amtierenden Bürgermeister aus dem Sarkozy-Lager von der linken Opposition gestürzt werden. In der Elsass-Metropole Straßburg galt das als so gut wie sicher. In Marseille hatte in letzten Umfragen Sarkozys UMP einen kleinen Vorsprung, in Toulouse die Sozialisten. Eine Niederlage in allen drei Großstädten würde Sarkozy als klarer Verlust ausgelegt. In der Hauptstadt Paris, wo die Sozialisten seit 2001 regieren, dürfte derweil Amtsinhaber Bertrand Delanoë klar wiedergewählt werden.

Popularität des Präsidenten sinkt

Die Popularität des im Mai gewählten Sarkozy ist in den vergangenen Monaten rasant gesunken. Meinungsforscher sehen dahinter die Enttäuschung über die Reformpolitik des Präsidenten, die den Franzosen nach eigener Einschätzung bisher nicht mehr im Geldbeutel gebracht hat. Für Verstimmung auch bei konservativen Wählern haben zudem die privaten Eskapaden des Präsidenten gesorgt: die Luxusreisen auf Kosten befreundeter Milliardäre und die Jet-Set-Romanze mit der Sängerin Carla Bruni, die in eine Blitzhochzeit mündete. Im Wahlkampf waren auch viele UMP-Kommunalpolitiker auf Distanz zu dem Staatschef gegangen. Einige hatten sogar auf das Parteilogo verzichtet.

Vor der zweiten Wahlrunde versuchten alle Seiten ihre Anhänger nochmals zu mobilisieren. Denn in der ersten Runde hatte sich ein Drittel der wahlberechtigten Franzosen enthalten. Mit 66,5 Prozent hatte die Wahlbeteiligung in Runde eins den niedrigsten Stand seit 1959 erreicht. (dm/AFP)