KOMÖDIE„Burn after reading“ : Poppen und joggen

Jan Schulz-Ojala

Es ist ja so: Da hat man jemanden frisch kennengelernt, übers Internet oder auf sonstig vorsichtigen Anbahnungswegen, man wagt sich zum ersten Mal zusammen ins Kino – und wenn dann der andere bei einer sturztraurigen oder auch -langweiligen Stelle total ablacht oder in einer brüllend komischen Szene unbewegten Trauerkloßblicks sitzenbleibt, als sei nicht eben die Kinosonne wieder mal sowas von aufgegangen, dann ist Alarm angesagt. Bloß weg hier!

Auch die Fitnesscenter-Angestellte Linda Litzke (Frances McDormand) hat in der Disziplin „Sage mir, mit wem du über einen Film nicht gemeinsam lachen oder weinen kannst, und es ist egal, wen du nicht heiratest“ so ihre Erfahrungen. Wie gut, dass es da mit dem smarten Ex-Personenschützer und dienstlich nicht gerade überforderten Regierungsbeamten Harry Pfarrer (George Clooney) schon im Kino richtig gut klappt. Auch hat Pfarrer, der als routinierter Fremdgänger immer erst poppt und dann joggt, um seine Restmuskeln bei Laune zu halten, entspanntes Verständnis für Lindas Wunsch, sich gleich vier aufwändigen Schönheitsoperationen zu unterziehen – natürlich auf Kosten der Krankenkasse, und das auch noch im schönen Washington D. C. Weil die böse Krankenkasse aber nicht mitspielt, wird der geradezu jungbrunnensprudelnde Plan geboren, mit einer zufällig in der Hantelbude namens „Hardbodies“ aufgefundenen CD, die offenbar hochbrisantes Geheimdienstmaterial enthält, eine perfekte Erpressung zu starten; ein Vorhaben wiederum, bei dem Linda sich durch den extrem gehirngegelten Fitnesstrainer-Kollegen Chad (Brad Pitt) kongenial unterstützt weiß – oder sollte man sagen: kon-bescheuert?

Mit anderen Worten: Der gänzlich unbekümmerte Genremix „Burn after reading“ aus der Feder der Brüder Coen, in dem auch John Malkovich als gefeuerter CIA-Mann und Tilda Swinton als dessen anderweitig feurige Ehefrau ganz normal verrückte Rollen übernommen haben, ist der schönste Quatsch des Regie-Duos seit „The Big Lebowski“ (1997). Okay, es gibt ein paar dramaturgische Durchhänger – aber Vorsicht! Im Kino immer den frischverliebten Nebenmann bzw. die frischverliebte Nebenfrau im Auge behalten: Wehe, er/sie gähnt, wo du lachst. Und, schlimmer noch, umgekehrt. Spaßverliebter Genremix. Jan Schulz-Ojala

„Burn after reading“, 2008, 95 Min., R: Joel und Ethan Coen, D: George Clooney, Brad Pitt, Tilda Swinton, Frances McDormand, John Malkovich

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