Konjunktur : Deutsche Wirtschaft bricht im ersten Quartal um 3,8 Prozent ein

Die deutsche Wirtschaft ist zu Jahresbeginn so stark eingebrochen wie noch nie. Das Bruttoinlandsprodukt sank von Januar bis März um 3,8 Prozent verglichen mit dem Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

BerlinDie deutsche Wirtschaft steckt weiter in einer schweren Rezession: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank zwischen Januar und März um 3,8 Prozent verglichen mit dem Vorquartal, teilte das Statistische Bundesamt mit. Gegenüber dem Vorjahresquartal lag der Rückgang sogar bei 6,9 Prozent. Das BIP misst, wie viele Waren und Dienstleistungen in Deutschland erwirtschaftet werden. Die Kennzahl ist seit vier Quartalen rückläufig. 

Der Wert ist historisch: Seit die Ökonomen im Jahr 1970 begannen, das BIP in Deutschland quartalsweise zu vergleichen, haben sie noch nie einen solch schweren Rückgang verzeichnet. Er fiel zudem stärker aus als von den meisten Wirtschaftsforschern erwartet: Befragte Volkswirte hatten im Durchschnitt vorhergesagt, die deutsche Wirtschaft werde nur um drei Prozent schrumpfen. Bereits im vierten Quartal 2008 war die deutsche Wirtschaftsleistung um 2,2 Prozent zurück gegangen. Nach Berechnungen von Volkswirten hat der aktuelle Abschwung die Wirtschaft mittlerweile auf das Niveau von 2005 zurechtgestutzt.

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Ein wesentlicher Grund hierfür ist der Einbruch des Welthandels: Die deutsche Wirtschaft hängt stark vom Export ab, der in der Krise massiv einbricht. "Der Einbruch ist Folge deutlich gesunkener Exporte und Investitionen", teilte das Statistische Bundesamt mit. Die Binnennachfrage ist weiterhin zu schwach, um die Verluste aufzufangen. Allerdings hätten die leicht steigenden privaten und staatlichen Konsumausgaben ein noch schlechteres Ergebnis verhindert, teilten die Statistiker mit .

Die Bundesregierung und die führenden Wirtschaftsinstitute rechnen für 2009 mit einem Minus von sechs Prozent. Das wäre der stärkste Einbruch seit Gründung der Bundesrepublik. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet hingegen nur mit einer Schrumpfung von 5,6 Prozent. Die Rezession schlägt sich auch in niedrigeren Steuereinnahmen nieder: Der Steuerschätzerkreis bezifferte gestern die zu erwartenden Ausfälle für Bund, Länder und Gemeinden bis 2013 auf 316 Milliarden Euro.  (cl/Reuters)