Konjunktur : Hypothekenkrise dämpft Wirtschaftswachstum

Nach Prognosen des Instituts für Wirtschaftsforschung schlägt sich die Hypothekenkrise in den USA jetzt auch in der hiesigen Wirtschaft nieder. Trotzdem ergibt sich für die Wissenschaftler kein düsteres Bild.

KielUnter dem Eindruck der Immobilienkrise in den USA und der dort schwächeren Konjunktur hat das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) seine Prognosen für das Wirtschaftswachstum in Deutschland deutlich gesenkt. Für das laufende Jahr rechnet das IfW nun noch mit einem Wachstum von 2,7 Prozent. Allerdings lag die zuvor erwartete Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,2 Prozent auch klar über den Prognosen der meisten anderen Wirtschaftsforscher. 2008 soll die gesamtwirtschaftliche Produktion um 2,4 Prozent steigen; erst im Juni hatte das Institut seine Prognose für das kommende Jahr noch auf 2,7 Prozent erhöht.

Bei der "ungünstigeren Entwicklung" spielten die gegenwärtigen Finanzmarktturbulenzen sowie die Abschwächung der US-Konjunktur eine Rolle, teilten die Wissenschaftler mit. Zwar sei derzeit schwer auszumachen, inwieweit die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen und Haushalte in Deutschland durch die US-Hypothekenkrise negativ beeinflusst wird. Unabhängig davon sei aber zu erwarten, dass die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und private Haushalte ungünstiger werden. Insbesondere im Kreditbereich werden Risiken an den internationalen Finanzmärkten höher bewertet, teilte das IfW mit. Außerdem setzten Banken ihr Eigenkapital unter anderem verstärkt zur Begleichung von Verlusten ein.

Kein düsteres Bild

Trotz der Unwägbarkeiten malten die Wissenschaftler kein düsteres Bild: "Die konjunkturelle Expansion in Deutschland hat sich abgeschwächt. Gleichwohl sind die Aufschwungkräfte nicht erlahmt, dafür sprechen wichtige Indikatoren." So steige die Inlandsnachfrage im zweiten Halbjahr 2007 beschleunigt, "da die dämpfenden Effekte der restriktiven Finanzpolitik allmählich abklingen". Auch bei den Unternehmen rechnet das Institut mit einer hoch bleibenden, wenn nicht sogar beschleunigten Investitionsdynamik. Die Absatz- und Ertragserwartungen seien weiterhin positiv, und Firmen würden von 2008 an wegfallende Abschreibungsmöglichkeiten vorher noch nutzen.

2008 wird das Konjunkturtempo nach IfW-Einschätzung nur noch moderat zulegen. Allerdings werde der inländische Konsum weiter "recht kräftig expandieren und die wesentliche Stütze der Konjunktur sein". Dagegen dürften die Unternehmensinvestitionen etwas an Schwung verlieren - aufgrund vorgezogener Käufe in 2007 sowie einer zunehmend wirksam werdenden strafferen Geldpolitik. Die Zahl der Arbeitslosen soll im Jahresdurchschnitt 2008 weiter auf 3,2 Millionen nach 3,8 Millionen in diesem Jahr zurückgehen. Der Preisauftrieb bleibe in beiden Jahren mit 1,9 Prozent beziehungsweise 2,0 Prozent ähnlich hoch.

Empfehlung: Beiträge für Arbeitslosenversicherung senken

Für einen weiterhin kräftigen Produktionsanstieg empfehlen die Experten den Politikern zum einen eine deutlichere Verringerung des Beitragssatzes in der Arbeitslosenversicherung. Er wird zwar zum 1. Januar 2008 von 4,2 Prozent auf 3,9 Prozent verringert. Für das IfW kann der Satz aber um einen zusätzlich halben Prozentpunkt gesenkt werden, ohne dass im Fall einer wirtschaftlichen Abschwächung nach 2008 ein Defizit im Haushalt der Bundesagentur auftreten würde.

Zum anderen hält das Institut eine Verringerung der Einkommenssteuersätze Anfang 2009 für erwägenswert. Unterbleibe bei steigendem Nominaleinkommen eine Anpassung, steige die Steuerbelastung, Arbeitsanreize würden geschwächt und das "Wachstum des Produktionspotenzials" falle geringer aus als sonst. (mit dpa)