Konjunktur : Ifo-Index verschnupft durch Finanzkrise

Die Finanzmarktkrise drückt auch auf das Ergebnis des Ifo-Geschäftsklimaindex. Die befragten Unternehmen blicken skeptisch in die Zukunft. Bundeswirtschaftsminister Glos sieht aber keinen Anlass zu Pessimismus.

MünchenDie internationale Finanzmarktkrise hat die Stimmung in der deutschen Wirtschaft bislang nur leicht eingetrübt. Der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung gab im August zwar zum dritten Mal in Folge von 106,4 Punkten im Vormonat auf 105,8 Punkte nach. Experten hatten allerdings damit gerechnet, dass die Turbulenzen um Zahlungsausfälle bei US-Hypothekenkrediten das Klima noch stärker abkühlen lassen und einen deutlicheren Rückgang vorhergesagt. Das Konjunktur-Barometer liege noch immer deutlich über dem langjährigen Durchschnitt, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Dies lasse "auf eine weiterhin robuste konjunkturelle Entwicklung schließen".

Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) erwartet keine gravierenden Auswirkungen der Finanzmarktkrise. "Es gibt keinen Anlass zu Pessimismus, es gibt weiter Anlass zu Optimismus", sagte der Minister. Es gebe auch keinen Grund, die Konjunkturprognose für Deutschland grundsätzlich zu ändern. Er habe darüber am Montag bereits mit Bundesbankpräsident Axel Weber gesprochen. Auch Weber halte die Situation für beherrschbar. Unklarheit herrscht derweil über die weitere Zinsentwicklung, nachdem EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Montag in Budapest kein erneutes Signal für einen Zinsschritt gegeben hatte.

Unternehmen beurteilen aktuelle Lage gut

Bei der monatlichen Umfrage des Ifo Institut zeigten sich die Unternehmen für die kommenden Monate skeptischer. Die Einschätzungen zur aktuellen Situation hellten sich dagegen überraschend sogar etwas auf. Entsprechend gab der Erwartungs-Index von 101,7 Punkten auf 100,4 Punkte nach, der Index für die Geschäftslage stieg dagegen leicht von 111,3 Punkten auf 111,5 Punkte. Der Ifo-Index gilt als wichtigster Früh-Indikator der deutschen Wirtschaft. Für ihn befragen die Konjunkturforscher monatlich rund 7000 Unternehmen. Zuvor war bereits das Stimmungs-Barometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) abgesackt, das aus der Befragung von knapp 300 Analysten und Anlegern ermittelt wird. Volkswirte hatten deshalb auch einen schwächeren Ifo-Index erwartet.

An den Börsen fielen die Reaktionen moderat aus. In einem ruhigen Handel notierte der Deutsche Aktienindex Dax am Nachmittag zeitweise um knapp 0,4 Prozent im Minus bei 7458 Zählern.

Das Ifo Institut fürchtet durch die derzeitige Krise an den Kapitalmärkten keine ernsten Rückschläge für die deutsche Wirtschaft. "Natürlich haben sich die Turbulenzen auf den Finanzmärkten auch auf die gewerbliche Wirtschaft ausgewirkt, aber nicht so stark wie prognostiziert", sagte Ifo-Konjunkturexperte Hans Günter Russ. Man bleibe daher bei der Wachstumsprognose für Deutschland. "Wir gehen nach wir vor von einem gesamtwirtschaftlichen Wachstum von 2,5 Prozent in diesem Jahr aus."

"Schlimmstenfalls könnte es eine Abschwächung des Wachstums geben"

Zu dem leichten Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindex im August habe möglicherweise ein "psychologischer Effekt" beigetragen, sagte Russ. Einige Unternehmen fürchteten offenbar, dass die Kreditvergabe in Deutschland schwieriger werden könnte. Die Preissteigerungen bei Lebensmitteln und vor allem bei Milchprodukten hätten dagegen bei der Umfrage keine Rolle gespielt. An der eigentlichen konjunkturellen Lage habe sich insgesamt nichts verschlechtert, sagte Russ. "Die harten Fakten wie Auftragseingang und Produktion zeigen nach oben. Wir sehen keinen Abschwung, schlimmstenfalls könnte es eine Abschwächung des Wachstums geben, aber auch davon gehen wir nicht aus."

Die Industrie-Unternehmen zeigten sich im August für die kommenden Monate skeptischer und schätzten ihre Export-Chancen weniger optimistisch ein als zuvor. Auch im Einzelhandel nahm die Skepsis für die kommenden Monate leicht zu. Weil die derzeitige Lage aber etwas günstiger bewertet wurde, verbesserte sich das Klima in der Branche leicht. Da angesichts geplanter Einstellungen mit weiteren Verbesserungen am Arbeitsmarkt zu rechnen sei, könnte in den nächsten Monaten auch der bisher enttäuschende Konsum endlich in Schwung kommen, sagte Russ. "Die Arbeitslosigkeit wird weiter zurückgehen, die Beschäftigungspläne haben bis zuletzt nach oben gezeigt." (mit dpa)