Konzernumbau : Siemens-Aufsichtsrat verordnet Radikal-Kur

Ein radikaler Konzernumbau und die Verkleinerung des Vorstands: Das ist das Programm für den Siemens-Aufsichtsrat bei seiner morgigen Sitzung. Der Konzern soll künftig auf vier Säulen ruhen. Der Vorstand wird drastisch verjüngt und verkleinert.

MünchenDer Siemens-Aufsichtsrat entscheidet morgen über einen radikalen Konzernumbau und eine Verkleinerung des Vorstands. Künftig soll das skandalgebeutelte Unternehmen, das bisher in ein knappes Dutzend operativer Bereiche gegliedert ist, auf den Säulen Energie, Gesundheit und Industrie ruhen. Im Zuge des Umbaus wird der Vorstand verjüngt. Mehrere ältere Vorstände müssen ihren Platz räumen. Mit grundsätzlichem Widerstand im Aufsichtsrat wird nicht gerechnet.

Die wichtigsten personellen Entscheidungen sind in den vergangenen Tagen bereits durchgesickert. Demnach setzt der neue Konzernchef Peter Löscher in erster Linie auf interne Kandidaten. Das größte Arbeitsgebiet Industrie soll künftig Heinrich Hiesinger verantworten. Der 47-Jährige war zuletzt im obersten Führungsgremium für die Gebäudetechniksparte SBT zuständig und sollte eigentlich Personalvorstand werden. Diesen Posten übernimmt nun laut Branchenkreisen Siegfried Russwurm (44), bisher Bereichsvorstand in der Siemens-Medizintechnik.

Wolfgang Dehen wird Energie-Chef

Die Medizintechnik-Sparte wird weiterhin von Vorstandsmitglied Erich Reinhardt (61) geführt. Das dritte verbliebene Arbeitsgebiet - die Energiesparte - verantwortet künftig Wolfgang Dehen. Die Berufung des 53-Jährigen in den Vorstand gilt als Überraschung. Er hatte zuletzt den Autozulieferer VDO geführt, der im Sommer an Conti verkauft wurde. Bei allen Kandidaten wurde in den vergangenen Wochen intensiv überprüft, ob sie in den Schmiergeldskandal verwickelt sein könnten. Für Dehen spricht dabei, dass VDO vor dem Verkauf besonders intensiv durchleuchtet wurde.

Neben den drei Managern, die die operativen Bereiche verantworten, sowie Löscher und Russwurm sitzen weiterhin im Vorstand: Joe Kaeser (Finanzen), Hermann Requardt (Technologie) und der Anti-Korruptionsbeauftragte Peter Solmssen. Damit zählt der Siemens-Konzernvorstand künftig acht Mitglieder, bisher waren es elf. Ausscheiden wird unter anderem Rudi Lamprecht (59), der einst das Handygeschäft geführt hatte und zuletzt unter anderem noch für die Betreuung der Siemens-Gemeinschaftsunternehmen zuständig war. Die scheidenden Vorstände sollen bis zum Ablauf ihrer Verträge als Berater für Siemens fungieren.

Durch den Umbau will Löscher schlankere Strukturen und klare Verantwortlichkeiten schaffen. Bei Siemens sind in den vergangenen Jahren 1,3 Milliarden Euro in dunkle Kanäle geflossen. Ein Großteil des Geldes ist vermutlich im Ausland als Schmiergeld eingesetzt worden. (mit dpa)