Der Tagesspiegel : Kopf an Kopf in die letzte Woche

Am Sonntag ist Landtagswahl – und alles ist offen. Auch an der Wahlstreet werden Erwartungen gehandelt

Markus Horeld/Holger Wild

Noch sechs Tage bis zur Landtagswahl. Noch sechs Tage – und alles ist offen. Die Umfragen zeigten zuletzt die SPD, lange Zeit aber auch die PDS vorne, auch die CDU mag die Hoffnung darauf, stärkste Partei zu werden, noch nicht aufgeben.

Denn jeder zweite Wähler hat sich den Meinungsforschern zufolge noch nicht entschieden, welcher Partei er seine Stimme geben will – oder will überhaupt gar nicht zur Wahl gehen. Das senkt die Aussagekraft der Umfragen natürlich erheblich. Drei kleine Parteien – Grüne, FDP, DVU – können alle noch in den Landtag kommen oder an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Und die drei Spitzenkandidaten der großen Parteien können alle Ministerpräsident oder -präsidentin werden. Matthias Platzeck (SPD), Jörg Schönbohm (CDU), Dagmar Enkelmann (PDS): Kurz vor der Wahl blicken sie hier für uns nochmal zurück, nach vorn – und aufeinander.

Über mögliche Koalitionen zu spekulieren erübrigt sich aber. Zu unsicher scheint heute noch das Wahlergebnis. Dabei gibt es seit 1999 neben den herkömmlichen Umfrage-Methoden eine weitere Möglichkeit, den Ausgang einer Wahl zu prognostizieren: die Internet-Börse „Wahlstreet“. Dabei handelt es sich um einen Online-Aktienmarkt, auf dem „Aktien“ von Parteien gehandelt werden. Man verkauft beispielsweise Papiere der SPD, um den Erlös in, zum Beispiel, Grünen-Aktien zu investieren. Die Aktienkurse reagieren wie im echten Leben: Eine hohe Nachfrage nach einem bestimmten Papier treibt dessen Preis in die Höhe, ein Überangebot sorgt für Kursverluste.

Doch ist die Wahlstreet viel mehr als ein simulierter Aktienmarkt. Der jeweilige Aktienkurs der Parteien lässt nämlich eine erfahrungsgemäß sehr zuverlässige Prognose für den Wahlausgang zu. Der Grund dafür ist einfach: Die Wahlstreet-Händler müssen echtes Geld einsetzen (zwischen 10 und 50 Euro). Politisch motivierte Manipulation der Aktienkurse ist deshalb kaum möglich. Eine zweite Bedingung für die genaue Prognose betrifft die spätere Auszahlung des eingesetzten Geldes: Jeder Partei-Aktie wird zum Börsenschluss am Wahlabend genau der Wert zugewiesen, den die jeweilige Partei laut vorläufigem amtlichen Endergebnis an Stimmenanteilen erreicht hat. Weil die Händler dies natürlich wissen, versuchen sie, die Partei-Aktien zu einem Kurs zu handeln, von dem sie glauben, er entspreche dem späteren Wahlergebnis. In den Kurs fließen also die Erwartungen sehr vieler politisch informierter und interessierter Akteure ein.

Wie sensibel und unmittelbar die Aktienkurse der Parteien reagieren, konnte 2002 bei der Wahlstreet zur Bundestagswahl beobachtet werden. Als Bundeskanzler Schröder damals den Opfern der Flutkatastrophe in Ostdeutschland umfangreiche Finanzhilfen ankündigte, schoss der Aktienkurs der SPD nach oben – und blieb dort bis zum Wahltag.

Bei der Wahlstreet zur Landtagswahl, die gemeinsam von Tagesspiegel Online und den Potsdamer Neuesten Nachrichten veranstaltet wird, führte am gestrigen Montagnachmittag übrigens die PDS mit knapp 30 Prozent. Die SPD lag bei fast 27 Prozent und die CDU bei gut 23 Prozent nahezu gleichauf. Die Grünen liegen über, die FDP unter fünf Prozent.

Unter www.tagesspiegel.de finden Sie die fortlaufend aktualisierte Prognose der Wahlstreet für die Landtagswahl. Selbst handeln können Sie auf www.wahlstreet.de.

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