Korruption : BaFin-Betrüger bekommt sechs Jahre Haft

Er stellte Scheinrechnungen aus und nahm Bestechungsgelder. Und das ausgerechnet bei der Finanzaufsicht. Ein Gericht verurteilte den Betrüger Raumann jetzt zu einer Haftstrafe von sechs Jahren.

Im Prozess um einen Millionen-Betrug bei der obersten deutschen Finanzaufsicht BaFin hat das Landgericht Bonn eine Haftstrafe von sechs Jahren gegen den früheren Beamten Michael Raumann verhängt. Nach zehn Verhandlungstagen verurteilte die Wirtschaftsstrafkammer den 53-Jährigen wegen Bestechlichkeit und Untreue in 89 Fällen. Der ehemalige Leitende Regierungsdirektor soll zwischen 2003 und 2006 bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistung mehr als sechs Millionen Euro mit Hilfe von Scheinrechnungen abgezweigt haben. Im Verfahren hatte er ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der Schaden für die BaFin beläuft sich insgesamt auf 7,3 Millionen Euro.

Aufgeflogen war der Korruptionsfall durch Kritik des Bundesrechnungshofs an der Vergabepraxis im Informationstechnologie-Bereich der BaFin, für den Raumann als Abteilungsleiter zuständig war. Der Angeklagte habe das Vertrauen seines Dienstherrn schwer missbraucht und der BaFin nicht nur materiell geschadet, sondern auch dem Image der Behörde einen immensen Schaden zugefügt, urteilten die Bonner Richter.

Strafmildernd wurde das Geständnis des Angeklagten bewertet. Als "absolut gerecht" bezeichneten die Verteidiger das Urteil. Die Staatsanwaltschaft hatte sechseinhalb Jahre Haft gefordert. Sie warf Raumann Untreue in 249 besonders schweren Fällen, in Tateinheit mit Bestechlichkeit in 222 Fällen und Steuerhinterziehung in zehn Fällen vor.

Mit manipulierten Dokumenten Beamtenlaufbahn erschlichen

Raumann hatte sich zunächst durch manipulierte Dokumente die Beamtenlaufbahn erschlichen. Anders als einst angegeben verfügt er weder über Studium und Doktortitel noch über mittlere Reife. Mit den falschen Papieren war der angebliche Informatiker gleich bei drei Bundesbehörden erfolgreich - neben der BaFin auch beim Bundesfinanz-und Bundesinnenministerium.

Das Verfahren gegen einen mitangeklagten Unternehmer aus Brandenburg konnte wegen einer Erkrankung des 62-Jährigen noch nicht abgeschlossen werden.