Korruptionsskandal in Sachsen : Journalist wegen Recherchen bedroht

Am Telefon wurde einem Journalisten gedroht, ihn der Kinderschändung zu bezichtigen, falls er seine Berichterstattung zur sächsischen Korruptionsaffäre nicht beende. In anderen Fällen wurden Radmuttern gelockert und ein Laptop gestohlen.

DresdenIn der sächsischen Korruptionsaffäre ist ein Journalist wegen seiner Recherchen bedroht worden. Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) sagte der "Dresdner Morgenpost", ein Reporter sei per Telefon aufgefordert worden, die Berichterstattung zu beenden, andernfalls werde man ihm Kinderschändung unterstellen. Zudem gebe es Fälle, in denen Radmuttern gelockert und ein Laptop aus einem Auto gestohlen worden sei, sagte der Minister der Chemnitzer "Freien Presse". Buttolo verwies darauf, dass Journalisten genauso wie politisch Handelnde, Mitarbeiter des Innenministeriums, Staatsanwälte und Polizeibeamte gefährdet seien.

Gleichzeitig stehen nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" einige Fahnder in der Korruptionsaffäre unter besonderem Polizeischutz, da offenbar eine konkrete Bedrohungslage vorliege. Der Sprecher des sächsischen Innenministeriums, Andreas Schumann, wollte den Bericht am Dienstag nicht bestätigen. Er sagte, es sei Aufgabe des Staates, seine Aufklärer und Ermittler zu schützen. Details wollte er nicht nennen.

Die Affäre war Mitte Mai durch Berichte über den Inhalt einer geheimen Datensammlung des Verfassungsschutzes ins Rollen gekommen. Die darin enthaltenen Vorwürfe sollen von Amtsmissbrauch bis Kinderprostitution und Bandenkriminalität reichen. (mit ddp)