Krankenhäuser : Bericht: Zunehmende Profitgier gefährdet Patienten

Patienten können bei den meisten Leiden in deutschen Kliniken auf eine gute Behandlung nach aktuellen Standards vertrauen. Dabei müssen sie aber auch teils deutliche Risiken in Kauf nehmen.

BerlinIn 22 von 180 offiziell überprüften Merkmalen der verschiedenen Krankenhaus-Behandlungen gebe es "besonderen Handlungsbedarf", teilte die Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) von Krankenkassen, Kliniken, Ärzten und Pflegern bei der Präsentation ihres Qualitätsreports 2006 mit. BQS-Experten hatten die Daten von 2,6 Millionen Behandlungen ausgewertet. Vom 30. November an sollen Patienten über die Internetseiten ihrer Krankenkasse erstmals zu Qualitätsberichten der einzelnen Krankenhäuser gelangen können.

Die Qualität habe sich in den vergangenen Jahren verbessert, berichtete die BQS. Bei Brustkrebs habe sich etwa der Anteil der Eingriffe, bei denen die Brust erhalten wurde, auf erwünschte 80 Prozent erhöht. Bei 6311 mehr Patientinnen als vor zwei Jahren hätten die Kliniken exakt dokumentiert, wie groß der Bereich des um den Tumor herum entfernten Gewebes war. Der Grund für Verbesserungen sei, dass Kliniken mit Defiziten bereits seit Jahren zu Stellungnahmen aufgefordert werden oder Experten mit ihnen in Kontakt treten.

Profitgier und Privatisierung zu Lasten der Patienten

Doch Risiken bleiben: So wurde nur bei rund 52 Prozent der Patienten bei der Entlassung 2006 vollständig geprüft, ob ihr Zustand stabil ist. Das solle aber bei allen der Fall sein. Der Anteil von im Krankenhaus gestorbenen Patienten stieg leicht auf 14,4 Prozent der 201.715 Patienten. Beim Kaiserschnitt dauerte es bei 277 Fällen länger als 20 Minuten und damit nach allgemeinen Standards zu lange, bis nach der Entscheidung zum Notfallschnitt das Kind geboren war. Der Experte der Linken, Frank Spieth, kritisierte, Patienten litten unter zunehmender Profitorientierung und Privatisierung des Krankenhaussektors.

Die geplante erstmalige Veröffentlichung von Erfolgen und Risiken einzelner Kliniken im Internet lobte Rudolf Kösters, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), als "ein neues Kapitel". Die Berliner Patientenbeauftragte Karin Stoetzner bemängelte, dass die Berichte in Fachsprache verfasst würden und nicht mit einfachen Suchfunktionen aufbereitet würden. Bei Kliniken mit Defiziten würden die Berichte zudem vorerst zurückgehalten. Betroffen seien bis zu rund acht Prozent der Häuser. Ihre Stellungnahmen werden nach DKG- Angaben abgewartet, müssten aber bis zum 31. Dezember abgegeben sein. (mit dpa)