Krankenhäuser : Brandenburg-Verbot für Charité-Studenten

Die Berliner Nachwuchs-Ärzte dürfen künftig keine Praktika mehr in Brandenburger Lehrkrankenhäusern absolvieren. Schon jetzt gehört die Mark im Arzt-Patienten-Verhältnis zu den schlechtesten Bundesländern. Die Charité sieht sich zu dem Schritt gezwungen, um die Zahl der Studienanfänger zu reduzieren, die an die Bettenzahl der Lehrkrankenhäuser geknüpft ist.

Liva Haensel

Sie werden die Ärzte nicht mehr bei den morgendlichen Visiten begleiten, sie werden kein Blut mehr abnehmen, keine Gespräche mit den Patienten führen. Die weißen Kittel werden unberührt am Kleiderhaken hängen bleiben. Berliner Medizinstudenten, die ihre studienbegleitenden Praktika am Bett von Patienten in einer Brandenburger Klinik absolvieren wollen, haben künftig Pech: Die Charité will ihre Nachwuchs-Ärzte künftig nur noch an den vier Berliner Charité-Standorten ausbilden.

In Brandenburg waren bisher ein bis zehn Charité-Studenten pro Ausbildungs-Klinik tätig. „Uns trifft die Entscheidung deshalb hart“, sagt Heidrun Grünewald, die Geschäftsführerin des Cottbusser Carl-Thiem-Klinikums. Ihr Kollege Thomas Erler, stellvertretender ärztlicher Leiter des Klinikums, hat ausgerechnet, dass in Cottbus jährlich rund 80 Jungmediziner ausgebildet werden könnten. Tatsächlich seien es aber nur zehn, weil schon jetzt die meisten gar nicht aus Berlin wegwollten. Die Aufkündigung der jetzigen Regelung durch die Charité würde diesen Trend noch verstärken. Nach seiner Erfahrung ändern Medizinstudenten ihre Meinung aber rasch, wenn sie einmal in einem Brandenburger Krankenhaus gearbeitet hätten, aber: „Leider kommt es oft gar nicht soweit.“

Das Kündigungsschreiben der Charité kann für die an Ärztemangel leidende Region fatale Folgen haben: Schon jetzt steht Brandenburg laut Landesstatistiken am unteren Ende, wenn es um das Arzt-Patienten-Verhältnis geht. Durchschnittlich versorgen in der Mark nur 27 Mediziner rund 100 Patienten. In Zukunft könnten es noch weniger werden. Denn die Praktika vermitteln den Studenten den Alltag eines Arztes auf der Station. „Sie binden ihn positiv an das Krankenhaus“, sagt Heidrun Grünewald.

Brandenburg "auf den Berliner Nachwuchs angewiesen"

Wer einmal als Medizinstudent in einer gut ausgestatteten Brandenburger Klinik tätig war, sei gerne dorthin zurückgekehrt – entweder als Arzt im so genannten Praktischen Jahr (PJ) oder als Assistenzarzt direkt nach dem Studienende. Experten nennen es „Klebe-Effekt“: Jemand kommt und bleibt. „Für uns war das gut – wir konnten junge Mediziner anziehen, die später sogar Ober- und Chefärzte wurden.“ In Brandenburg gibt es keine medizinische Hochschule. „Das Land ist auf den Berliner Nachwuchs angewiesen“, sagt Grünewald. Doch Berlin mache nun dicht.

Hintergrund ist ein Urteil des Oberverwaltungsgerichtes vom vergangenen Jahr: Demnach können sich junge Leute für Medizin einklagen, weil sich die Zahl der Studienplätze an der Bettenzahl der Lehrkrankenhäuser orientiert. Da auch die Betten in Brandenburger Krankenhäusern dazu gezählt wurden, war die Anzahl der Betten bisher sehr hoch – sie betrug 17 000. Dieser Zahl entsprechend gibt es bislang 8000 Studienplätze für Medizinstudenten. Allerdings sollen in den kommenden Jahren 5000 Studienplätze für Mediziner wegfallen.

Die neuen Pläne würden auf jeden Fall umgesetzt, sagt Prodekan Manfred Gross. Denn auch künftig sei mit einem sehr hohen Andrang von Medizinstudenten zu rechnen, was die Charité in „existenzielle Nöte“ bringe.

Klinik-Chefs in Brandenburg befürchten, dass in einem zweiten Schritt auch die Plätze für die PJler gestrichen werden. Prodekan Gross verneint das allerdings. Die Absolventen der Charité sollten auch weiterhin frei entscheiden können, wo sie ihr Praktisches Jahr verbringen. Dabei solle weiterhin die Attraktivität der einzelnen Standorte den Ausschlag geben.

Ein Zusammenhang zwischen der Aufkündigung der bisherigen Regelung für die Ärzte im Praktikum und dem Ärztemangel in Brandenburg bestehe daher aus Sicht der Charité nicht.

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